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Arthur Edward Waite (1857 - 1942)

Wäre da nicht dieses fast schon legendäre Tarotdeck, so würde sich heutzutage wohl kaum noch jemand an A.E. Waite erinnern. Dabei galt er zu Lebzeiten als ein Experte der Mystik und des Okkultismus und war einer der bekanntesten Autoren seiner Zeit auf diesem Gebiet. Unter den vielen von Waite publizierten Arbeiten war das nach ihm selbst und seinem Verleger Rider benannte Tarot nur ein Werk von vielen. Doch es sollten gerade diese Tarotkarten sein, die ihn bis heute unvergessen gemacht und dafür gesorgt haben, dass sein Name, genau wie der seines ehemaligen Ordensbruders Aleister Crowley, für immer mit dem Tarot verbunden bleiben wird.

Arthur Edward Waite wurde laut eigener Aussage am 02. Oktober 1857 um 13:00 Uhr Ortszeit in New York geboren. Doch hier gibt es eine kleine Unklarheit, denn laut seinem Biografen R.A. Gilbert existiert ein Schriftstück, demzufolge bereits Ende September 1857 ein Geburtshelfer zur Wohnung der Familie Waite gerufen wurde, um dem kleinen Arthur ans Licht der Welt zu helfen. Dieses Schriftstück ist außerdem beeidigt. Waite selbst, der von diesem Dokument wusste, bestand jedoch immer darauf, dass er am 02. Oktober geboren wurde, was man ihm auch glauben sollte. Schließlich kann er mit einigem Recht für sich in Anspruch nehmen, das Ereignis persönlich miterlebt zu haben.

Bleibt die Frage, warum ein einfaches Schriftstück, aus dem lediglich hervorgeht, dass ein Geburtshelfer zu einer bestimmten Geburt geholt wurde, überhaupt beeidigt werden musste? Waite selbst gibt hierzu an, dass die Beeidigung von seinem Großvater väterlicherseits veranlasst wurde, damit es einen schriftlichen Nachweis über die Geburt und rechtmäßige Herkunft des kleinen Arthur Edward gäbe. Das erscheint etwas seltsam denn schließlich lässt sich wohl kaum bezweifeln, dass A.E. Waite tatsächlich geboren wurde. Wozu wäre dann ein simples Schriftstück als Beweis nötig? Der Grund hierfür dürfte in der Beziehung seiner Eltern liegen, denn es gilt keinesfalls als gesichert, dass diese tatsächlich miteinander verheiratet waren. Sollten sie es nicht gewesen sein, so hätten sie in wilder Ehe miteinander gelebt, was in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein absoluter Skandal gewesen wäre und die Familie zu gesellschaftlichen Outcasts gemacht hätte. Die Zweifel an der rechtmäßigen Eheschließung seiner Eltern und die Folgen, die sich daraus ergaben, sollten denn auch einen entscheidenden Einfluss auf Waites Leben haben.

Waites Vater war der Amerikaner Captain Charles F. Waite, der aus einer wohlhabenden Familie der amerikanischen Upper Class stammte. Waites Mutter war die Engländerin Emma Lovell, die aus einer ebenfalls sehr wohlhabenden Londoner Kaufmannsfamilie stammte. Beide begegneten sich zum ersten Mal auf einem Schiff, als Emma auf der Heimreise von Kanada nach England war. Sie verliebten sich ineinander und zogen schließlich zusammen nach New York. Doch weder die Familie Waite, noch die Familie Lovell schien mit dieser Beziehung einverstanden gewesen zu sein, weshalb Charles und Emma wohl von beiden Familien mehr oder weniger isoliert lebten. Tragischerweise verstarb Captain Waite bereits ein Jahr nach Arthur Edwards Geburt. Seine Mutter war zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger. Emma stand nun allein mit einem Baby und einem Säugling da. Da sie von Seiten der Familie ihres Mannes nur wenig oder gar keine Unterstützung bekam, entschloss sie sich, nach England zurückzukehren. Doch auch hier ging es ihr nicht besser, denn auch ihre eigene Familie verweigerte ihr die Unterstützung und grenzte sie und ihre Kinder weitgehend aus dem Familienleben aus. Die Folge davon war, dass der kleine Arthur Edward und seine Schwester in relativer Armut aufwuchsen und obendrein so etwas wie eine familiäre Identität kaum kannten. Arthur Edward entwickelte sich denn auch zu einem introvertierten, schüchternen Kind, das sich selbst nicht viel zutraute und unter seiner vermeintlichen Unzulänglichkeit litt. Doch Armut und fehlende familiäre Verwurzelung waren nicht das Einzige, was die Kindheit und das spätere Leben des Arthur Edward Waite prägten.

Waites Mutter suchte Trost in der Religion und fand diesen ausgerechnet in der katholischen Kirche. Der Katholizismus wurde im anglikanischen England des 19. Jahrhunderts bestenfalls geduldet und Katholiken sahen sich einigen Diskriminierungen ausgesetzt. Der Eintritt Emma Waites und ihrer Kinder in die katholische Kirche stellte daher für Emmas Familie eine zuzsätzliche Provokation dar wodurch Emma und ihre Kinder eine weitere Ausgrenzung erfuhren. Es verwundert daher kaum, dass Arthur Edward sich ebenfalls der katholischen Kirche zuwandte und schließlich zu einem glühenden Katholiken wurde. Auch wenn er später den Katholizismus wesentlich distanzierter betrachten sollte, waren es doch die katholischen Riten und Zeremonien, die ihn zeitlebends faszinierten. So war es denn auch nicht zuletzt die rituelle Ordensarbeit, die ihn in den Golden Dawn und zu den Freimaurern hinzog und es war gewiss kein Zufall, dass er seinen eigenen Orden "Order of Independent and Rectified Rite" nannte.

Im September 1874 ereilte die Familie Waite ein weiterer Schicksalsschlag. Arthur Edwards jüngere Schwester Frederica starb an Entkräftung nach Scharlachfieber. Weder Arthurs Mutter, noch er selbst haben diesen Verlust je richtig überwunden. Anstatt sich nun aber noch enger zusammenzuschließen, scheinen sich die beiden stattdessen immer mehr entfremdet zu haben.

Auch Arthur Edward selbst war häufig krank. Er hätte gerne studiert, doch es war nicht genug Geld da, um ein Studium zu bezahlen. 1875 schien sich sein Traum dennoch zu erfüllen, als sich für den begabten jungen Mann ein Förderer fand. Doch dann wurde Arthur Edward wieder einmal krank und der Traum vom Studium zerschlug sich. Stattdessen arbeitete Waite im Büro eines Anwaltes, eine Tätigkeit, die ihn weder befriedigt, noch gefordert haben dürfte. In seiner Freizeit schrieb er leidenschaftlich gerne Gedichte und versuchte sich an Geschichten für sogenannte Groschenromane, hatte mit beidem aber bestenfalls mittelmäßigen Erfolg. Nichtsdestotrotz schaffte es Waite mit der Zeit, seinen Lebensunterhalt durch Schreiben zu bestreiten. Zwischenzeitlich versuchte er sich auch als Journalist und als Verleger und brachte sogar sein eigenes Magazin, The Unknown World, heraus. Er schien mit der Zeit einen gesunden Ehrgeiz entwickelt zu haben und ließ sich durch Rückschläge und Misserfolge nicht so leicht aus der Bahn werfen. Als einer seiner Verleger in Konkurs ging und Waite ohne Verleger da stand, versuchte er sich als Werbetexter für Horlicks Malzmilch. Seine Werbetexte waren so erfolgreich, dass ihm der Managerposten für das Londoner Büro von Horlick angeboten wurde, welches er zehn Jahre lang erfolgreich leitete.

1878 kam Waite zum ersten Mal mit dem Spiritismus in Berührung. Auf einer seiner langen Spaziergänge durch London entdeckte er im Schaufenster einer Metzgerei eine spiritistische Zeitschrift, kaufte diese und kam dabei mit dem Metzger ins Gespräch, der selbst Spiritist war. Bald darauf nahm auch Waite an spiritistischen Sitzungen teil und las alles über dieses Thema, was er bekommen konnte, stand der Sache aber auch kritisch gegenüber und versuchte mögliche Betrüger zu entlarven. Im Jahre 1885 lernte Waite den Spiritisten Granville Stuart Menteath kennen, in dessen Verlobte Dora er sich verliebte. Dora zog jedoch den wohlhabenden Menteath vor. Waite wandte sich später Doras Schwester Ada zu, scheint sich auch in diese verliebt zu haben und heiratete sie am 07. Januar 1888. Bereits am 22. Oktober 1888 wurde die gemeinsame Tochter Sybil geboren.

Mittlerweile hatte Waite begonnen, sich vom Spiritisten zum Mystiker und Okkultisten zu wandeln, wobei der Mystiker immer überwog. Er begann, sich ernsthaft mit der Materie auseinanderzusetzen und veröffentlichte im Laufe der Zeit zahlreiche Bücher zu okkulten Themen, wie zum Beispiel "The Occult Sciences" (1891), "Devil-Worship in France" (1896) oder "The Book of Black Magic" (1898). Schon im Jahre 1889 erschien auch sein erstes Buch über das Kartenlegen "Handbook of Cartomancy".

Ein Jahr vor seiner Hochzeit, im Januar 1887 lernte Waite durch Vermittlung einer Freundin den Schriftsteller Arthur Machen kennen. Machen verfasste fantastische Erzählungen und inspirierte u.a. H.P. Lovecraft und Daphne du Maurier, deren Erzählung "Die Vögel" wahrscheinlich von Machens "The Terror: A Fantasy" beeinflusst wurde. Berühmt wurde "Die Vögel" später durch die gleichnamige Verfilmung von Alfred Hitchcock. Machens bekanntestes Werk war "The Great God Pan" Arthur Machen und Waite wurden enge Freunde und blieben es zeitlebens. 1899 führte Waite ihn in den Golden Dawn ein.

Ende der 80iger Jahre des 19. Jahrhunderts machte in der Londoner "Szene" ein Gerücht über einen neuen okkulten Orden die Runde, welcher hohe Anforderungen an seine Mitglieder stellen sollte. Waite, der sich inzwischen sehr für die Freimaurerei und das Rosenkreuzertum interessierte, wollte gerne in diesen Orden aufgenommen werden und bemühte sich um Kontakt. Das war für ihn nicht allzu schwierig, denn zu dieser Zeit hatte er sich bereits einen gewissen Namen gemacht. Eines des Gründungsmitglieder dieses Ordens kannte er bereits. Er war Samuel McGregor Mathers im Britischen Museum begegnet, in dessen Bibliothek beide ihren mystischen und okkulten Studien nachgingen. Auch mit dem eigentlichen Gründer und Initiator dieses Ordens, Dr. William Wynn Westcott, war Waite schon früher in Kontakt gekommen, als Westcott in Waite einen möglichen Kandidaten für die S.R.I.A. (Societas Rosicruciana in Anglia), einem bis heute aktiven Rosenkreuzerorden sah. Waites erste Bewerbung um Aufnahme in den Golden Dawn wurde jedoch abgelehnt, allerdings mit der Aufforderung, die Bewerbung nach einiger Zeit noch einmal zu wiederholen. Das tat Waite auch und wurde schließlich im Januar 1891 als 99. Mitglied in den Orden aufgenommen. Im Dezember desselben Jahres trat auch seine Frau Ada dem Golden Dawn bei. Im April 1892 hatte Waite den Grad 4=7 Philosophus erreicht und wäre als nächstes in den Zweiten Orden aufgenommen worden. Doch 1893 trat er aus dem Golden Dawn wieder aus. Die genauen Gründe hierfür sind allerdings nicht bekannt und auch Waite selbst hat sich dazu nur vage geäußert. In der Ordensrolle erscheint einmal neben seinem Eintrag die Bemerkung "Armenregelung?". Es wäre also möglich, dass er ganz einfach zeitweise nicht genug Geld für den Mitgliedsbeitrag hatte.

Waite blieb mit einigen Ordensmitgliedern befreundet und Anfang 1896 bewarb er sich um die Wiederaufnahme in den Orden. Auch über die Gründe für diesen Wiedereintritt äußert sich Waite nur vage. Am 03. März 1899 wird er in den Grad des Adeptus Minor erhoben und steigt als 116. Mitglied in den Zweiten Orden auf. Im Jahre 1900 eskalierten die Probleme, die sich aus Samuel Mcgregor Mathers herrischem und selbstherrlichen Verhalten ergaben und Mathers, der inzwischen alleiniger Ordensführer war, wurde aus seinem eigenen Orden geworfen. Dasselbe Schicksal ereilte Aleister Crowley, nach seinem skandalösen Auftritt in der Blythe Road. Der Rausschmiss der beiden schillernsten und skandalträchtigsten Mitglieder löste die Probleme des Ordens jedoch nicht. In den nächsten zwei Jahren hielt Waite sich weitgehend aus den sich zuspitzenden Führungsstreitigkeiten heraus, wohl nicht zuletzt, weil sein Interesse am Golden Dawn mehr und mehr nachließ. Es war die Zeit, in der er sich entschloss, endlich den Freimaurern beizutreten. Doch 1903 scheint sein Interesse am Golden Dawn wieder zugenommen zu haben. Schließlich muss ihm dann auch zum ersten Mal der Gedanke gekommen sein, die Ordensführung selbst zu übernehmen. Wohl zu seinem eigenen Erstaunen fand er sich dabei von einigen der bedeutensten Mitgliedern unterstützt.

Das Jahr 1903 gilt als das offizielle Ende des ursprünglichen Golden Dawn. Drei Nachfolgeorden gingen aus ihm hervor: der von dem geschassten Ordensführer gegründete Orden Alpha et Omega und der von den führenden Ordensmitgliedern Felkin und Brodie-Innes gegründete Orden Stella Matutina. Allerdings folgten nicht alle Golden-Dawn-Mitglieder Felkin und Brodie-Innes. Viele Mitglieder folgten A.E. Waite, der den Order of Independent and Rectified Rite of the Golden Dawn gründete. Unter den Mitgliedern die Waite folgten, befand sich auch eine gewisse Pamela Colman-Smith. Einige Jahre arbeiteten Stella Matutina und Waites Orden noch mehr oder weniger zusammen, gingen dann aber, nach Intrigen von Seiten Brodie-Innes gegen Waite, getrennte Wege.

Das Tarot spielte im Golden Dawn eine bedeutende Rolle. Waite war jedoch mit den Tarotlehren des Golden Dawn nie völlig einverstanden. Seiner Meinung nach verfügte der Golden Dawn über "keinerlei tiefe Einsicht über das Erbe der Tarotkarten". In Pamela Colman-Smith, die sich seinem Order of Independent and Rectified Rite angeschlossen hatte, erkannte er eine "äußerst phantasievolle und abnormal medial begabte Künstlerin", die "bei richtiger Anleitung einen Tarot hervorbringen könnte, der die künstlerische Welt anspricht und auf die Bedeutung hinter den Symbolen hinweist, wodurch sie eine andere Anordnung erhielten, wie sie sich alle jene nicht einmal im Traum gedacht hätten, die sie viele Generationen lang zu lediglich hellseherischen Zwecken hergestellt und verwendet haben". Da es "keinen allgemeinverbindlichen Kanon für die Interpretation der Tarotkarten gibt", fühlte Waite sich nicht nur berechtigt, sondern empfand es wohl auch als Notwendigkeit, die Darstellungen auf den Karten nach seinen Überzeugungen zu ändern. Für ihn waren das Tarot und seine Symbole "Tore zu visionären Welten weit über okkulte Träume hinaus". In Waites Aussagen zeigt sich auch indirekt der eigentliche Unterschied zwischen dem Rider Waite Tarot und dem Crowley Tarot: ersteres ist ein mystisches Tarot, letzteres ist okkult.

Insgesamt gesehen hören sich Waites Kommentare zu seiner Zusammenarbeit mit Pamela Colman-Smith so an, als ob diese zwar außerordentlich medial begabt, ansonsten aber ein kleines Dummchen wäre, dass kaum etwas von der tiefergehenden Bedeutung der Symbolik verstanden hatte. Er erweckt auch den Anschein, als wären alle Kartendarstellungen ausschließlich nach seinen Anweisungen gemalt, doch wir wissen heute, dass die Darstellungen auf den Zahlenkarten der Kleinen Arkana zumindest teilweise auf der Vorlage des Sola Busca Tarots aus dem 15. Jahrhundert beruhen.

Waite und die Mitglieder seines Independent and Rectified Rite betrachteten sich, genau wie die Mitglieder der Stella Matutina, sozusagen als rechtmäßige Erben des Golden Dawn. Für die Mitglieder von Waites Orden galten daher die legendären Cypher Manuscripts, auf deren Grundlage der Golden Dawn gegründet worden war, nach wie vor als Ordenslegitimation. Als nun Waite die Echtheit dieser Dokumente mehr und mehr offen bezweifelte, rebellierten die Ordensmitglieder. Hinzu kam, dass Waite immer mehr dazu übergegangen war, Magie durch Mystik zu ersetzen, was vielen alten Mitgliedern des magisch-orientierten Golden Dawn überhaupt nicht gefiel. Als die Meinungsverschiedenheiten nicht mehr zu überbrücken waren, löste Waite im Jahre 1914 seine Independent and Rectified Rite auf. Das Thema Golden Dawn war damit für ihn zu Ende. Heute wissen wir übrigens, dass die Cypher Manuscripts in der Tat eine Fälschung waren.

Ungefähr zwei Jahre bevor Waite mit seinem Rectified Rite eigene Wege ging, war er den Freimaurern beigetreten und im Laufe der Zeit Mitglied in mehreren Logen und Riten geworden. Damit war er seiner eigentlichen Neigung gefolgt. Waite war immer weitaus mehr ein Mystiker, denn ein Magier gewesen, mehr Freimaurer und Rosenkreuzer, denn Okkultist. Inzwischen war er bei den Freimaurern in den Rang eines Meisters aufgestiegen und so gründete er nun nach dem Ende des Rectified Rite im Jahre 1915 den Tempel Salvator Mundi der Fellowship of the Rosy Cross. Dabei handelte es sich um einen unabhängigen, freimaurerisch-rosenkreuzerischen Orden, der von christlichem Mystizismus geprägt war. Waite wurde alleiniges Oberhaupt. Einige seiner früheren Ordensbrüder des Rectified Rite folgten ihm in seinen Orden, der mit der Zeit noch weiter wuchs und bis zu Waites Tod Bestand hatte.

Seine freimaurerische und rosenkreuzerische Arbeit brachte Waite mit vielen Größen der Freimaurerei, der Rosenkreuzer und des Okkultismus in Kontakt, darunter auch Rudolf Steiner, mit dem er 1912 bei Steiners Londonbesuch mit Hilfe eines Dolmetschers eine längere Unterredung hatte. Schon relativ früh hatte Waite zudem begonnen sich für den Martinismus zu interessieren. Dabei handelt es sich um eine mystisch-theosophische Richtung der Freimaurerei, benannt nach dem französischen Freimaurer Louis Claude de Saint-Martin (1743 - 1803). Der Martinistenorden war 1884 von Dr. Gerard Encausse, besser bekannt als Papus, gegründet worden. Waite sandte ein Exemplar seines Buches Louis Claude de Saint-Martin an Papus, der davon so beeindruckt war, dass er Waite, der zu dem Zeitpunkt noch kein Freimaurer war, den Titel eines Docteur en Hermétisme an seiner Ecole supérieure libre de Sciences Hermétiques verlieh. Als Waite aber dann später, als Freimaurer, von dem schlechten Ruf erfuhr, der Papus in orthodoxen freimaurerischen Kreisen anhing, stellte er den Kontakt zu ihm ein.

Waite hatte fast sein ganzes Leben in London verbracht. Seine Arbeit und seine zahlreichen Bücher machten ihn zwar nicht zu einem reichen Mann, verschafften ihm jedoch ein relativ gutes Einkommen, so dass er sich Eastlake Lodge, ein Haus in London leisten konnte. 1899 verkaufte Waite Eastlake Lodge und erwarb dafür Sidmouth Lodge in der South Ealing Road im Westen von London, wo er mit seiner Familie fast 20 Jahre lang wohnte. Als Sidmouth Lodge aufgrund stark gestiegener Lebenserhaltungskosten dann finanziell nicht mehr zu halten war, zog die Familie fürs erste nach Ramsgate, einem Badeort an der Küste von Kent, wo Waite bereits einige Jahre zuvor ein Cottage erworben hatte. Zwar fühlten Waite und Ada sich dort sehr wohl, doch der Umzug in das kleinere Cottage machte es erforderlich, dass Waite seine riesige Bibliothek mit ca. 1500 Büchern verkaufen musste, was ihm sehr schwer fiel. Fast genauso schwer fiel es ihm, seinen Garten aufzugeben. Er liebte die Gartenarbeit und die Tiere, die dort lebten, egal, ob es sich um die Katze seiner Frau, die Vögel oder Maulwürfe handelte. In jedem Tier sah er eine eigene Würde und Schönheit. Leider löste der Umzug nach Ramsgate die finanziellen Probleme nicht vollständig, denn das 300 Jahre alte Cottage verschlang viel Geld an Reparaturen. Die Familie lebte von Waites Tantiemen und den Zinsen aus Kriegsanleihen, die Waite zugunsten seiner Tochter Sybil erworben hatte.

Im Jahre 1924 verstarb Waites Frau Ada. Um seiner Trauer zu entkommen, stürzte sich Waite noch mehr in seine schriftstellerische Arbeit und seine Ordenstätigkeiten. Außerdem hatte er Schuldgefühle, weil er glaubte, Ada wegen seiner Arbeit zu sehr vernachlässigt und nicht bemerkt zu haben, wie krank sie wirklich war. Auch Waites Gesundheit, die noch nie sehr robust gewesen war, war angegriffen. Allerdings neigte er zu Hypochondrie, hatte also ständig Angst vor Krankheiten, beziehungsweise bildete sich diese ein.

Waites Tochter Sybil hatte ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Vater und beanspruchte diesen nach dem Tod der Mutter quasi für sich allein. Als Mary Broadbent Schofield auftauchte, musste es zwangsläufig zu Problemen kommen.

Mary war bereits 1916 in Waites Fellowship oft the Rosy Cross eingetreten. Sie bewunderte Waite beinahe grenzenlos. Nach Adas Tod näherte sie sich ihm auch privat an und wurde seine Privatsekretärin, was von Sybil mit häufigen Eifersuchtsszenen quittiert wurde. Trotzdem kamen sich Waite und Mary immer näher und heirateten schließlich am 15. April 1933. Mary zog nach Ramsgate zu ihrem Mann, jedoch nicht in sein Cottage sondern nach Westfield Lodge. In gewisser Weise war das allerdings ein eher glückliches Arrangement, denn so konnte sich Waite, wenn er Frieden vor seiner eifersüchtigen Tochter suchte, zu seiner Frau flüchten. Außerdem hatte Mary noch eine Wohnung in London, und zwar in demselben Gebäude, in dem sich auch die Ordensräume befanden. Hier konnte Waite wohnen, wenn er in London war.

Einige Monate nach seiner Hochzeit verkaufte Waite dann sein Cottage in Ramsgate und zog mit seiner Tochter in das malerische kleine Seebad Broadstairs, nur wenige Kilometer nördlich von Ramsgate. Mary scheint zuerst noch in Ramsgate geblieben zu sein und Waite pendelte nun zwischen drei verschiedenen Wohnstätten hin und her. Erst 1938 zog Mary ebenfalls nach Broadstairs, wohnte aber auch dort nicht mit Waite zusammen. Allerdings sollte auch Broadstairs nicht Waites letzter Wohnort sein.

Bereits 1927 hatte Sybil ein kleines Haus in Bishopsbourne gekauft, welches Vater und Tochter als Sommersitz nutzten. Das kleine Städtchen Bishopsbourne befindet sich landeinwärts in Kent, nur etwa vier Meilen von Canterbury entfernt. Als das Geld erneut knapp wurde, gab Waite auch das Haus in Broadstairs auf und zog mit seiner Tochter ganz nach Bishopsbourne. Doch auch hier blieb er nicht lange. Sybil hatte, vermutlich 1941, ein neues Haus in Bridge bei Canterbury gekauft in das beide noch einmal umzogen. Hier starb Waite am 19. Mai 1942. Begraben ist er jedoch in Bishopsbourne. Sein Grab existiert bis heute, soll aber nicht leicht zu entdecken sein, da es inzwischen von einem wild wuchernden Tollkirschenstrauch überdeckt wird.

Quellenangaben:
Bild: Arthur Edward Waite in den frühen 1880iger Jahren, Wikipedia Commons, Permission = "by age"
R.A. Gildbert, Arthur Edward Waite - Ein Magier besonderer Art
Arthur Edward Waite, Shadows of Light and Thought

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