Engel Tarot - Tarot of the Angels Kommentar zu diesem Tarot
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Verlag und Copyright ©:  Lo Scarabeo, Italien -  Verlag Königsfurt-Urania
Abbildungen mit Genehmigung des Verlages.

Beim Thema "Engel Tarot" denkt vermutlich jeder erst einmal an ein rein christliches Tarot. Doch dem ist nicht so. Bei näherem Hinsehen ist das Engel Tarot nicht ganz so eindeutig christlich gefärbt, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Zwar steht der Schutzengelaspekt im Vordergrund, kann aber durchaus auch im Sinne von Schutzgenien ganz allgemein verstanden werden. Schließlich kommt der Begriff "Engel" vom altgriechischen "Angelos" und bedeutet "Bote, Botschafter" und solche geflügelten Boten, auch im Sinne von Schutzgeistern, gab es nicht nur in der christlichen Religion.

Betrachtet man die Kartendarstellungen des Engel Tarots zum ersten Mal, so wirken sie ziemlich düster. Man muß sich schon etwas genauer mit den Bildern auseinandersetzen, damit sich deren Symbolik erschließt. Diese ist teilweise sehr tiefsinnig und nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erkennen. So wirkt z.B. die Hohepriesterin etwas statisch und der steinerne Thron, auf dem sie sitzt, scheint irgendwie nicht so recht zur Kartenbedeutung zu passen. Dieser Eindruck ändert sich jedoch, wenn man auf das kleine Spruchband schaut, welches von zwei Engeln über ihrem Kopf gehalten wird. Darauf stehen die lateinischen Worte "NOSCE TE IPSUM", was zu deutsch bedeutet: Erkenne dich selbst. Sehr tiefsinnig erscheint auch die Karte "Der Tod".  Hier wurde auf die meist übliche Darstellung eines Skeletts als symbolische Gestalt des Todes verzichtet. Statt dessen sehen wir einen reitenden Engel, der aber fast gar nichts von einem Todesengel an sich hat. In seiner linken Hand trägt er ein Banner auf dem die lateinischen Worte "FIDES" (Glaube, Vertrauen) und "VERITAS" (Wahrheit) zu lesen sind.  Das Wort "fides" kommt von "fidere" (vertrauen, glauben). "Fides" bedeutet daher nicht nur "Glaube, Vertrauen", sondern kann auch als 2. Pers. Sing. Futur I gelesen werden (du wirst vertrauen).  In einer recht freien Übersetzung könnten die Worte "FIDES VERITAS"  daher auch als "du sollst der Wahrheit vertrauen" oder ganz einfach "glaube an die Wahrheit" gelesen werden.

Betrachten wir noch ein weiteres Beispiel. Auf der Karte des Teufels sehen wir den Teufel auf einem steinernen Thron an dessen Armlehnen sich zwei ebenfalls steinerne menschliche Köpfe befinden, die der Teufel mit seinen Händen umklammert. Steinerne Köpfe sind ja schon für sich allein genommen eine schöne symbolische Darstellung für Sturheit, Verbissenheit, Engstirnigkeit und Vorurteile. Durch die Umklammerung des Teufels wird ihnen zudem jede Möglichkeit genommen, sich aus ihrer "steinernen" Haltung zu befreien, ein gelungenes Bild für zwanghaftes Verharren. 

Sehr schön ist auch die Darstellung des Gehängten gelungen. Eine menschliche Gestalt hängt kopfüber mit den Füßen an einen Querbalken gebunden. Bis hierhin entspridcht das Bild weitgehend der traditionellen Darstellungsweise. Zusätzlich sehen wir hier aber noch zwei Hände, die den Kopf des Gehängten stützen. Das diese Arme zu einem Engel gehören ist an den beiden Flügeln rechts und links zu erkennen. Egal ob man die Karte des Gehängten als Opfer, Selbstopfer oder Strafe für echte oder vermeintliche Taten interpretiert, in diesem Kartenbild kommt auch noch der Aspekt der Hilfe und Unterstützung selbst in auswegslos erscheinenden Situationen hinzu.

Besonders tiefsinnig erscheint der Ritter der Pentakel (Münzen, Scheiben). Ein Ritter in Rüstung und Waffen reitet auf einem im Schritt gehenden Pferd dahin. Zwei Engel schweben über ihm. Der eine, ein eher dunkle Engel, befindet sich  in seinem Rücken. Er scheint aus einem blattlosen, verdorrenden Baum hervorzukommen. Der andere, weiße Engel schwebt vor dem Ritter und es sieht so aus, als ob er versuchen würde, den dunklen Engel und den verdorrenden Baum zurückzudrängen. Das ganze Bild erweckt den Eindruck, als seien der Ritter und sein Pferd - ohne sich dessen bewußt zu sein - zumindest zum Teil in diesem Gewirr absterbender Äste verfangen, während der weiße Engel sich bemüht, ihn daraus zu befreien. Eine gelungene Darstellung für Trägheit und das Festhalten an Altem, Überkommenem, sowie die Schwierigkeit, diesen Zustand zu beenden.

Wie diese wenigen Beispiele zeigen, kann es durchaus lohnenswert sein, sich etwas näher mit dem Engel Tarot zu befassen und sich dabei von den Bildern inspierieren zu lassen. Nicht immer wird sich das, was man da sieht mit den traditionellen Kartenbedeutungen vereinbaren lassen. Dafür können sich dann aber interessante weitere Deutungsmöglichkeiten speziell zu diesem Deck ergeben. Für Anfänger, die gerade erst dabei sind, sich in die Kunst des Kartenlegens mit dem Tarot einzuarbeiten, ist dieses Deck allerdings nicht so gut geeignet, da es für die Interpretation der Kartenbilder hilfreich ist, wenn man die traditionellen Kartenbedeutungen bereits kennt. Für Anfänger, die aus dem Novizenstadium bereits heraus sind, sowie für Fortgeschrittene und Profis kann das Engel Tarot  jedoch eine interessante Bereicherung sein.


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