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Exkurs: Die Geschichte der Dekane - Teil 1

Der Ursprung der Astrologie wird heute zwar im alten Babylon vermutet, liegt genau genommen jedoch im Dunkel der Geschichte. Die Griechen und später auch die Römer übernahmen die Astrologie aus Babylon und auch die Ägypter scheinen die Astrologie von den Babyloniern und/oder den Griechen übernommen zu haben. Es ist nicht völlig geklärt, wann das genau geschah, vermutlich jedoch nicht vor der als griechisch-römischen Zeit bezeichneten Periode der ägyptischen Geschichte, die um ca. 332 v. Chr. begann.

Die Astrologie, die Lehre von den Sternen, ist die wissenschaftliche Stammutter, sowohl der heutigen Astrologen, als auch der heutigen Astronomen. In alter Zeit waren Astrologen meist auch gleichzeitig Priester, denn die Astrologie war eng mit der Religion verbunden. Der Begriff Astrologie wird heute immer im Sinne von Horoskopie verstanden. Die Horoskopie war in der Antike jedoch nur ein Teilgebiet der Astrologie. Die Hauptaufgben der Urväter der Astrologie waren die Zeitbestimmung anhand der Sterne und wohl auch bereits die Untersuchung der Zeitqualität. Letztere wurde zwar auch zur Zukunftsdeutung herangezogen, jedoch nicht als persönliche Horoskopdeutung, wie wir sie heute kennen, sondern zur Vorhersage allgemeiner Einflüsse. Das älteste bekannte persönliche Horoskop stammt vermutlich aus Babylon und wird auf das 5. oder 4. Jahrhundert v. Chr. datiert, ist also, wenn man berücksichtigt wie lange sich die Menschen bereits mit den Sternen beschäftigen, noch relativ jung.

Als an der Decke einer Osiriskapelle des Hathor-Tempels von Dendera in der Nähe der oberägyptischen Stadt Qena ein Rundbild entdeckt wurde, auf dem der Tierkreis abgebildet ist, nahm man zuerst an, einen Nachweis gefunden zu haben, der auf einen ägyptischen Ursprung der Astrologie hindeutete. Dann stellte sich jedoch heraus, daß dieser Tempel während der griechisch-römischen Zeit unter der Herrschaft der Ptolemäer-Dynastie, vermutlich im 2. Jahrhundert v. Chr. erbaut worden war. Zu dieser Zeit war der babylonische Tierkreis aber bereits von den Ägyptern übernommen worden. Allerdings scheinen, wie der Tierkreis von Dendera und andere Schriften zeigen, die Ägypter ein eigenes Sternenwissen mit dem der Babylonier bzw. Griechen vermischt oder diesem angepasst zu haben.

Ein solches Wissen gab es nachweislich. Die alten Ägypter kannten einen Kreis von Sternbildern, die jedoch nicht mit den Sternbildern unseres Tierkreises identisch sind. Es ist heute - mit zwei Ausnahmen - nicht mehr möglich diese Sternbilder am Himmel mit Sicherheit zu identifizieren. Bei den Ausnahmen handelt es sich um die Sternbilder des Orion und des Großen Hundes (Canis Major). Zwar sind auch einige Sternbilder aus der Gegend des Himmelsnordpols identifiziert, die jedoch nicht zu dem fraglichen Sternbilderkreis gehörten. Es wird heute vermutet, daß sich die Sternbilder dieses Sternbilderkreises in der Nähe der Ekliptik befunden haben müssten, worauf ja auch Orion und Canis Major hindeuten.

Auch dieser Sternbilderkreis war in 360° eingeteilt, wobei jeder Grad dem Tag eines Sonnenjahres entsprach. Dazu kamen 5 Zusatztage, die sogenannten Epagomenen. Je 10° dieses Sternbilderkreises bilden einen Dekan, so daß jeder Dekan über jeweils 10 Tage des Jahres herrschte. Jeder dieser 36 Dekane stand außerdem unter der Herrschaft einer Gottheit, des Dekanherrschers. Die Dekane sind Teile der Sternbilder, was auch durch ihre Namen, wie zum Beispiel "Arm des Orion", ersichtlich wird. In mindestens einem Fall ist ein Dekan auch nur ein einziger Stern. Bei dem Dekan "Sopdet" wissen wir heute das es sich um Sirius, den Hauptstern des Canis Major handelt, der in der altägyptischen Religion und als Stern der Isis eine große Rolle spielte. Das Alter dieser Dekanlehre geht mindestens bis ins Mittlere Reich (ca. 2040 v. Chr. - ca. 1640 v. Chr.) zurück, denn auf Särgen aus dieser Zeit tauchen bereits Dekanlisten auf. Ein noch höheres Alter ist wahrscheinlich, aber bisher noch nicht nachgewiesen.

Worterklärung: Was bedeutet "Dekan"?



Die Dekanlisten sind nicht völlig einheitlich. Es wird angenommen, dass unterschiedliche Auffassungen und somit mehrere Dekanlisten nebeneinander existierten. Außerdem sind die Dekanlisten im Laufe der Jahrtausende immer wieder überarbeitet worden. Später wurden die Dekane dann den Tierkreiszeichen zugeordnet, wie es auch der Tierkreis von Dendera (s.o.) zeigt, auf dessen äußerem Kreis die 36 Dekanherrscher abgebildet sind. Es existieren griechische und lateinische Dekanlisten, die alle auf die altägyptischen Dekanlisten zurückgehen. Auch die Dekannamen im sogenannten Testamentum Salomonis können ihren altägyptischen Ursprung nicht verbergen. Selbst die Dekanzuordnung in der heutigen Astrologie, die je 10° eines Tierkreiszeichens unter die Herrschaft eines Planeten stellt, geht letztendlich auf die altägyptischen Dekane zurück. Es gab antike Astrologen, die der alten ägyptischen Dekanlehre große Bedeutung beimaßen. Der Text eines altägyptisöchen Papyrus, der sich heute im Britischen Museum in London befindet, läßt den Gott Amon an einer Stelle zum Pharao sagen:

"...wisse, daß die Dekane eine wesentliche Kraft besitzen und ihrem Wirken Gutes wie Unheilvolles entspringt."

Das erhaltene Material scheint darauf hinzudeuten, dass die Dekanlehre im alten Ägypten hauptsächlich zur Zeitbestimmung gedient hatte. Es läßt aber keinen eindeutigen Schluss darüber zu, ob dabei nur die Quantität oder auch die Qualität der Zeit bestimmt wurde. Aufgrund des hohen Alters der Dekanlisten ist es nicht nur schwierig bis unmöglich die Namen der zugrunde liegenden Sternbilder zu übersetzen und ihre ungefähre Lage am Himmel zu bestimmen. Es ist auch nicht ganz leicht, die Anzahl dieser Sternbilder anzugeben. Zwar hatten auch die alten Ägypter ihren Sternbidlerkreis in 360° eingeteilt, was aber nicht notwendigerweise bedeutet, daß jedes Sternbild, wie bei uns, 30° umfaßt. Die Dekanliste auf der nächsten Seite ist nach Heinrich Brugsch, Thesaurus, zusammengestellt und verdeutlicht diese Schwierigkeiten:

Wer war Heinrich Brugsch?

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