Tarot der Drachen Kommentar zu diesem Tarot
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Manfredi Toraldo * Severino Baraldi Home       Impressum
Verlag und Copyright ©:  Lo Scarabeo, Italien -  Verlag Königsfurt-Urania
Abbildungen mit Genehmigung des Verlages.

Dieses sehr schöne Deck nimmt Bezug auf Drachenerzählungen- und Mythen der verschiedenen Kulturen und Zeitalter. Selbst die Dinosaurier wurden mit einbezogen und auch Drachenkämpfer und Träger von Drachennamen, wie z.B. der Hl. Georg, der Drachentöter Siegfried aus der germanischen Nibelungensage oder Uther Pendragon, der Vater von König Arthur fehlen nicht. Dadurch ist ein Tarot mit einer ganz eigenen Symbolik entstanden, die jedoch auf der traditionellen Tarotsymbolik basiert, auch wenn die Kartendarstellungen selbst diese nur ansatzweise erahnen lassen. Die vier Elemente der Kleinen Arkana werden jeweils durch einen bestimmten Drachenkulturkreis repräsentiert. Die Stäbe werden von Drachen aus Afrika und dem Orient vertreten. Seltsamerweise werden diese Drachen als "irdische Drachen" bezeichnet. Möglicherweise liegt das daran, dass hier auch die Dinosaurier mit einbezogen wurden. Diese sind ja nun mal die einzigen "Drachen", bei denen man mit absoluter Sicherheit sagen kann, dass es sie wirklich gegeben hat. "Irdische Drachen" könnte man dann ganz einfach als "Drachen, die einmal real existiert haben" interpretieren. Ansonsten wüsste ich nicht, warum ausgerechnet irdische Drachen für das Element des Feuers ausgewählt wurden. Allerdings ist mir bei Tarots, die aus Italien stammen, dem Land mit der historisch gesehen längsten Tarottradition, schon öfter aufgefallen, dass die Zuordnung der Elemente zu den Kleinen Arkana nicht immer mit der traditionellen Zuordnung übereinstimmt. Besonders gut gefällt mir bei den Karten der Stäbe übrigens die Vier der Stäbe. Hier ist eindeutig das berühmte Ishtar-Tor von Babylon zu sehen. 

Die Karten der Kelche standen Drachen, bzw. Drachenmythen aus dem asiatischen Raum Pate. Im Begleitheft werden sie "orientalische Drachen" genannt, was wohl eine weniger glückliche Übersetzung aus dem Italienischen ist. Die englische Übersetzung ist da richtiger: Eastern Dragons, also östliche Drachen.

Die Schwerter werden durch europäische Drachen, also Drachen aus den nordeuropäischen Mythen reprästentiert. Hier finden wir die ganze Palette der Drachensagen, die viele von uns schon in der Kindheit fasziniert haben. Nicht so schön finde ich allerdings die Neun der Schwerter. Diese Karte zeigt neun erhängte Männer, die mit Schwertern an den Füßen an einem riesigen verdorrten Baum hängen. Zwar ist die Symbolik der Darstellung nicht zu übersehen, sie hätte aber auch weniger abschreckend ausgeführt werden können. Meiner Meinung nach gehören nun einmal Hingerichtete, Hinrichtungsszenen und Darstellungen von blutigen Gemetzeln, wie man sie hie und da in verschiedenen Tarots findet, nicht auf Tarotkarten. Es sollte immer bedacht werden, dass die Karten nicht selten für Menschen gelegt werden, die keinerlei Ahnung von der symbolischen Bedeutung der Kartenbilder haben und beim Anblick solcher Szenen erst mal einen tiefgehenden Schrecken bekommen könnten. Da helfen dann auch die besten Erklärungen nicht mehr viel. Der Schreck ist geschehen. Das Tarot ist aber nicht dazu da, Menschen zu erschrecken, sondern ihnen zu helfen.

Bei den Scheiben treffen wir schließlich auf die Drachen, bzw. die gefiederten Schlangen der mittel- und südamerikanischen Indianer. Besonders symbolträchtig erscheint mir hier die Neun der Scheiben. Sie zeigt Kinder auf einem Feld, die vor einem großen Holzkreuz sitzen, bzw. stehen. Um dieses Kreuz windet sich eine Drachenschlange und es sieht aus, als würde sie zu den Kindern, welche vor ihr keinerlei Angst zu haben scheinen, sprechen. Im Hintergrund sieht man eine brennende Stadt. Zwischen dieser und der Szene mit den Kindern im Vordergrund ist ein winziges Getreidefeld zu sehen, in dem ein Frau mit einer Sense mäht. Als Kartenbedeutung ist im Begleitheft nur "Anpassung, Kompromiss" angegeben. Nun, ich denke mal, hier gibt es auch noch weit andere Interpretationsmöglichkeiten.

Die Buben/Prinzessinnen des Tarots der Drachen werden als Infantinnen bezeichnet, was allerdings, streng genommen, Prinzessinnen entspricht. Interessanterweise zeigen die Kartendarstellungen der Infantinnen in allen vier Elementen einen - vermutlich weiblichen - Drachen mit einem Menschenbaby, welches er zu beschützen scheint.

Die Prominenz finden wir bei den Großen Arkana. Hier begegnen uns beispielsweise Tiamat, Leviathan, Siegfried (Sigurd), der Drachentöter, Beowulf, der Hl. Georg, Uther Pendragon oder die Hydra.

Die Bilder als solche sind sehr gelungen. Es macht Spass, sie einfach nur anzusehen. Die Farben sind eindrucksvoll und kräftig. Ich bin mir allerdings nicht völlig sicher, ob dieses Deck auch für Anfänger geeignet ist. Für Kartenleger, die bereits über einige Erfahrung verfügen und natürlich für Sammler ist es absolut empfehlenswert.

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