Petit Etteilla - Die kleinen Etteilla-Karten Kommentar zu diesen Karten
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Jean-Baptiste Alliette (Etteilla) Home        Impressum






Verlag und Copyright ©:  Grimaud/France Cartes, Frankreich
erhältlich in Deutschland bei Esoterikshopping
Abbildungen mit Genehmigung des Verlages.

Das Petit Etteilla (kleines Etteilla) stammt aus dem 18. Jahrhundert und gilt heute als das erste echte Wahrsagekarten-Deck, welchem ein bestimmtes System zugrunde liegt. Konzipiert wurden die Karten von Jean-Baptiste Alliette (1738 - 1791), der sich selbst den Namen Etteilla gab, indem er seinen Nachnamen ganz einfach umdrehte. Etteilla war der erste professionelle Kartenleger der Geschichte. Er entwickelte sein eigenes System, wobei er auch die Numerologie und die Astrologie mit einbezog. Zu seiner Zeit war er der bekannteste Kartenleger Frankreichs und seine Bücher über das Kartenlegen waren sehr populär. Ursprünglich benutzte Etteilla einfache Piquet-Karten und gestaltete später auf dieser Grundlage seine Etteilla-Karten, die heute, in Abgrenzung zu dem ebenfalls von ihm entwickelten Etteilla-Tarot als kleine Etteilla-Karten bezeichnet werden. Es gilt inzwischen als wahrscheinlich, dass Marie-Anne Lenormand, die berühmte Seherin von Paris, das Kartenlegen nach Etteillas Methode gelernt und dazu später unter anderm auch seine Karten verwendet hat.

Das Petit Etteilla wird bislang nur vom französischen Kartenhersteller Grimaud/France Cartes herausgegeben und ist außerhalb Frankreichs kaum bekannt. In Deutschland ist es meines Wissens nur bei Esoterikshopping erhältlich. Die Karten sind eine Reproduktion eines Originals von 1880, welches wiederum direkt auf Etteillas Karten zurückgeht. Soweit mir bekannt ist, handelt es sich hierbei auch im die einzige Version dieser Karten, die es gibt. Bedenkt man die historische Bedeutung des Petit Etteilla für das Kartenlegen, so ist es ein Stück Zeitgeschichte der Kartomantie.

Das Deck besteht aus 32 Karten plus einer Karte, die den Ratsuchenden repräsentiert und "Etteilla" heißt. Die Karten sind mit 5,8 x 8,9 cm in etwa so groß,wie die kleinen Lenormandkarten. Genau wie das Original aus dem 18. Jahrhundert haben sie keine abgerundeten Ecken. In der Mitte einer jeden Karte ist die Spielkartenminiatur eines Kartendecks aus dem 18. Jahrhundert aufgedruckt. Am oberen und unteren Rand befinden sich die Kartentitel für aufrecht und umgekehrt fallende Karten, sowie je ein Deutungsstichwort, darunter ein Kombinationshinweis und in der vierten Zeile ein Hinweis auf die Bedeutung der Karte, wenn sie direkt neben der Karte des Ratsuchenden zu liegen kommt. Auf diese Weise kann eine Karte bis zu acht verschiedene Bedeutungen haben. Am rechten und linken Kartenrand befinden sich dann noch einmal Deutungshinweise für Mehrfacherscheinungen gleichwertiger Karten, also beispielsweise zwei Siebener oder vier Könige, u.s.w.

Das Petit Etteilla kommt mit einem kleinen Begleitbüchlein im Miniformat. Es ist in französischer und englischer Sprache geschrieben. Hier kommt Etteilla selbst zu Wort, scheint sozusagen aus der Vergangenheit zu uns zu sprechen, wodurch der Text allerdings nicht ganz einfach zu lesen ist. Der sprachliche Ausdruck des 18. Jahrhunderts ist in der heutigen Zeit etwas ungewohnt. Zudem merkt man, dass Etteilla zwar ein hervorragender Kartenleger, aber kein literarisches Genie war. Auch die englische Übersetzung hilft da wenig, denn sie hält sich natürlich, um so originalgetreu wie möglich zu sein, an die französische Vorlage. Leider ist Etteilla in seinen Erklärungen auch nicht immer allzu genau. So vergisst schon einmal darauf hinzuweisen, dass er von einer umgekehrt fallenden Karte spricht oder er nennt erst z.B. die Karte 6, um dann aber von Karte 16 zu sprechen. Allerdings bemerkt man diese kleinen "Verdreher" recht leicht, weshalb sie nicht weiter stören. Auf die Kartenbedeutungen wird nicht im einzelnen eingegangen, da diese ja auf den Karten aufgedruckt sind. Man kann aber Etteillas Beispielen entnehmen, wie sehr er es gewohnt ist, auch seine Intuition mit einfließen zu lassen. Im Großen und Ganzen deutet er zwar nach seinen Deutungshinweisen, doch hin und wieder deutet er auch Dinge, die den Karten direkt so nicht zu entnehmen sind. Überhaupt sind seine Deutungsstichworte eher als eine Art zusammenfassender oder - manchmal - verschlüsselnder Oberbegriff zu verstehen. Zudem muss man bedenken, dass einige Hinweise und Begriffe in der heutigen Zeit, in der ja teilweise andere Verhältnisse und Lebensschwerpunkte herrschen, auch entsprechend gedeutet werden müssen. Interessant ist, dass Etteilla auch auf das Traumdeuten mit Karten eingeht und dazu eine Liste von Traumsymbolen mitliefert.

Das Petit Etteilla dürfte insbesondere für diejenigen interessant sein, die gerne mit Lenormandkarten, Kipperkarten, Zigeunerkarten oder Skatkarten legen. Glücklicherweise ist es nicht unbedingt notwendig, das kleine Büchlein heranzuziehen, wenn man es einmal mit diesem Deck versuchen möchte. Wer kein Französisch spricht, kann sich mit Hilfe eines Wörterbuches leicht eine Wortliste zu den Karten anlegen. Neben Etteillas eigenen Systemen können auch alle heute gängigen Legesysteme für das Petit Etteilla verwendet werden. 

Zu Etteilla siehe auch unter Waite, Crowley & Co.


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