Copyright ©  2000 - 2014 Susanne Schöfer
  Home     Impressum weiter zu Manus Beute        und noch eine Beute  

Internetpiraten

Vorweg einmal in aller Deutlichkeit: Der Begriff "Copyright" bedeutet nicht, dass man hier so richtig (right) schön Kopieren (copy) soll, sondern bezeichnet den Urheberrechtsschutz von geistigem Eigentum. Diesen Rechtsschutz zu verletzen ist gesetzlich mit Diebstahl gleichgestellt und kann zu strafrechtlicher Verfolgung führen. Klar?

Seit die Tarotwelten im Internet sind, wurde und werde ich immer wieder mit einer unangenehmen Begleiterscheinung konfrontiert: dem fröhlichen Abkupfern von Texten und Bildern aus den Tarotwelten. Bei den Abkupferern handelt es sich in der Regel um wohlmeinende Mitmenschen, die - vermutlich, um mich nicht unnötig zu stören - es tunlichst vermeiden, mich vorher zu fragen, ob mir das denn auch recht wäre. Wohl, um nach erfolgtem Raubkopieren, nicht noch im nachhinein meine - verständlicherweise unerwünschte - Aufmerksamkeit zu erregen wird dann auch noch geflissentlich davon abgesehen einen Quellenverweis auf dem abgekupferten Material anzubringen. Einige ganz dreiste Abkupferer gehen sogar soweit, ihre Beute mit einem eigenen Copyright-Vermerk zu verschönern.

Recht abenteuerlich können die Entschuldigungen sein, die manche der ertappten Sünder vorbringen. Da kann es zum Beispiel passieren, dass jemand meine komplette Tarotgeschichte oder andere Texte aus den Tarotwelten in einem Forum postet und auch noch extra dazuschreibt, dass das, was er da geschrieben hat, von ihm und nur von ihm ganz allein stammt, um dann hinterher zu behaupten, dass er eigentlich ganz etwas anderes posten wollte und nur, weil er sich gerade in einem tranceartigen Zustand befand, nicht bemerkt hatte, dass er statt dessen etwas aus den Tarotwelten in das Forum kopiert hatte. Und wer jetzt glaubt, dass eine derart dämliche Ausrede einen Einzelfall darstellt, den muss ich enttäuschen. So etwas kommt öfter vor. Es scheinen erstaunlich viele Menschen im Internet unterwegs zu sein, die von Zeit zu Zeit in Trance oder andere bewusstseinstrübende Zustände fallen und dann Dinge tun, für die sie natürlich hinterher nicht verantwortlich sein können. Möglicherweise handelt es sich um eine Art temporäre Besessenheit durch einen Internetdämonen. Ich vermute mal, sein Name ist Copy&Paste, sozusagen der Klabautermann der Internetpiraten.

Bevor ich jetzt hier weiter meinem Ärger Luft mache, möchte ich aber auch alle diejenigen erwähnen, die sich die Mühe machen und mich fragen, ob sie Material von meiner Seite verwenden dürfen und die dann auch völlig korrekt einen gut sichtbaren Quellenverweis auf ihren eigenen Seiten anbringen. Dann gibt es auch noch diejenigen, die sich zwar eine Anfrage bei mir ersparen, aber mit dem entsprechenden Quellenverweis auf die Tarotwelten zumindest nicht versuchen, mein geistiges Eigentum als das ihre auszugeben. Das finde ich zwar nicht so wirklich in Ordnung - fragen kostet doch nichts - aber ich kann damit leben. Manchmal ist der Quellenverweis allerdings so klein und/oder so versteckt angebracht, dass man ihn kaum lesen kann...

Natürlich bin ich nicht die einzige, die von Internetpiraten heimgesucht wird. Im Gegenteil, ich befinde mich da oft in guter Gesellschaft, wie zum Beispiel ein recht dreister Vorfall zeigt. Da hatte doch eine Esoterik-Handlung ihre Webseite im Internet vollständig abgekupfert, zusammengesetzt aus mehreren verschiedenen Webseiten. Das so zusammengeklaute Endprodukt bestand aus den kompletten Tarotwelten, sowie der Kipperseite der Wasserfrau, den Tarot-FAQs von Hajo Banzhaf, den Heilsteinen von ur-gestein.de und steinheilkunde-ev.de, den Heilsteinen und dem Beitrag zur Engelarbeit von heilstein-ratgeber.de, dem kompletten Pendelteil von Lilith's Kartenlegen-Seite, einem Beitrag zur Magie aus TextArchiv7 und die Traumdeutung von gofeminin.de. Um der Sache die Krone aufzusezten, wurde das Ganze dann noch gewissenhaft mit einem Copyright-Vermerk des Piraten versehen.

Zum Glück hat eine aufmerksame Besucherin von Liliths Seite den Vorfall an Lilith gemeldet, die dann wiederum alle Betroffenen informiert hat. Da die Sache aber wirklich oberdreist war, hat Lilith auch einen Blog-Eintrag dazu geschrieben, den man auf Liliths Seite nachlesen kann:

Klau, schau, von wem

Kurz nach Erscheinen von Liliths Blog-Eintrag hat die fragliche Seite übrigens auf wundersame Weise abgespeckt und ist auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Ganz konnte dieser Pirat seine Spuren aber nicht verwischen. Google verfügt nämlich über eine Zwischenspeicher, in welchem alle Seiten, die bei Google eingetragen sind, auch noch einige Zeit nach deren vollständiger Löschung eingesehen werden können. Jeder, der sich mit Esoterik beschäftigt, sei es nun aus Überzeugung oder aus rein kommerziellen Gründen, sollte eigentlich wissen, dass nichts jemals wirklich verschwindet...

Glücklicherweise gibt es immer wieder aufmerksame Besucher, die, wenn Sie einen Piraten entdecken, diesen melden. Auch, wenn sich das jetzt wie eine Aufforderung zur Denunziation anhört: ich hoffe, dass das auch weiterhin der Fall sein wird. Der Raub von geistigem Eigentum ist kein Kavaliersdelikt. Das gilt einmal mehr, wenn solche Raubkopien einzig und allein zum Zwecke der eigenen Bereicherung dienen, womit nicht die geistige Bereicherung gemeint ist. In dem oben geschilderten Fall war die Motivation des umtriebigen Piraten bestimmt nicht in seinem Wunsch nach Wissen zu suchen - dazu hätte er sich das Kopieren sparen können - sondern einzig und allein in der Absicht, Kunden in sein in einer deutschen Großstadt befindliches Geschäft und/oder in seinen Online-Shop zu locken. Gleichzeitig brüstete er sich mit einem Wissen, welches bei potentiellen Kunden, die ja nicht ahnen konnten, dass sich da jemand mit fremden Federn geschmückt hat, den Eindruck von fachlicher Kompetenz und Vertrauen erwecken sollte. Aus dem selben Grund waren Texte und Bilder aus den Tarotwelten schon unzählige Male bei Ebay-Versteigerungen zu finden und/oder dienten als schmückendes Beiwerk von Ebay-Shops. Aber auch rein kommerzielle Seiten, die überhaupt nichts mit Tarot und/oder Astrologie zu tun haben, ja nicht einmal mit Esoterik im weitesten Sinne, halten es manchmal für angebracht, als Anreiz für potentielle Kunden ihre Internetpräsenzen mit Teilen aus den Tarotwelten zu verschönern. Vor ein paar Jahren gab es einmal einen Vorfall, der dem oben geschilderten sehr, sehr nahe kam. Nur dass es sich bei dem Piraten nicht um ein Esoterik-Geschäft, sondern um ein Werbeunternehmen handelte, welches versuchte, potentielle Kunden mit Hilfe der komplett bei mir abgekupferten Tarotsammlung anzulocken.

Die verschiedenen Piraten-Typen

Natürlich ist Pirat nicht gleich Pirat. Es gibt unterschiedliche Typen, je nach Motivation und geistigen Fähigkeiten. Nachfolgend der Versuch einer Klassifizierung:

Typ A: Piratus monetus - Der Profitbewusste
Dieser Typ entspricht dem oben bereits geschilderten. Er handelt aus rein kommerziellen Gründen, zum Zwecke der eigenen Bereicherung. Bei Entdeckung zeigt er zwei typische Verteidigungsstrategien:

1. Er vernichtet seine Beute schnellstmöglichst, in der Hoffnung, dass man ihm so nichts nachweisen kann. Anschließend mimt er den Unschuldigen.
2. Er gibt sich freundlich und jovial und behauptet steif und fest, dass ein Mitarbeiter entweder a) etwas über das Ziel hinausgeschossen ist, b) geglaubt hat, eine Genehmigung meinerseits läge vor, c) das Material aus den Tarotwelten nur versehentlich kopiert hat und d) nicht gewusst hat, dass man das nicht darf.

Typ B: Piratus nixwissicus - Der Unwissende
Im Gegensatz zu Piratus monetus hat Piratus nixwissicus in der Regel keine kommerziellen Absichten. Er ist eher praktisch veranlagt und sieht daher nicht ein, warum man das Rad zweimal erfinden sollte. Wenn er etwas entdeckt, das ihm gut gefällt und zudem für seine eigenen Zwecke brauchbar ist, nimmt er es sich einfach. Piratus nixwissicus ist nun einmal nicht der Typ, der sich lange mit Nachdenken aufhält. Schließlich gibt es im Leben Wichtigeres und das Internet ist voll davon. Begriffe, wie Copyright und Urheberschutzrecht sind ihm völlig fremd. Er hegt allerdings keine bösen Absichten und will auch niemandem etwas wegnehmen. Wenn man ihn anspricht, zeigt er generell zwei für Piratus nixwissicus typische Audrucksformen: Freundlichkeit und baffes Erstaunen. Der Aufforderung, seine Beute von seiner Homepage wieder zu entfernen oder aber mit einem deutlich sichtbaren Quellenverweis zu versehen, kommt er gerne nach, wobei er in der Regel lieber entfernt, statt einen Quellenverweis anzubringen. Einige Zeit später kann man dann meist auf einer solchen Nixwissicus-Homepage neues Material entdecken, zu welchem es dann wieder irgendwo im Internet eine ungenannte Quelle gibt. Piratus nixwissicus ist nicht gerade für seine Gedächtnisleistungen berühmt.

Typ C: Piratus garnixwissicus - Die unwissende Dumpfbacke
Dieser Typ ist eine Unterart von Piratus nixwissicus, unterscheidet sich von diesem aber hauptsächlich dadurch, dass Piratus garnixwissicus wirklich nix weiss. Seine Motivation ist im Prinzip dieselbe, wie die von Piratus nixwissicus. Ihm fehlt aber dessen Cleverness denn seine intellektuellen Fähigkeiten sind eher kläglich. Wenn Piratus garnixwissicus behauptet, dass er nicht wusste, dass man sich nicht einfach bei anderen Hompages nach Lust und Laune bedienen darf, dann stimmt das in der Regel auch. Häufig kommt es aber erst gar nicht zu einer Konversation, denn Piratus garnixwissicus ist nicht gerade der gesprächige Typ. Eine Aufforderung, seine Beute zu entfernen oder mit einem entsprechenden Quellenverweis zu versehen, ignoriert er meist ganz einfach. Außerdem hat er sowieso keine Ahnung, was ein Quellenverweis ist und kann allein schon deshalb keinen anbringen.

Typ D: Piratus ignorantus brutalus
Hier haben wir es mit einem ziemlich unangenehmen Vertreter der Spezies Piratus zu tun. Von der Motivation her gleicht er Piratus monetus, verfügt aber, anders als dieser, über keinerlei Unrechtsbewusstsein. Bei Kontaktaufnahme reagiert er aggressiv, in der Art "Was-willst-du-eigentlich, he?" und ist in keiner Weise bereit, auf seine Beute zu verzichten. Seine Strategien sind einfach und unverschämt. Er hat sich zu keiner Zeit irgend etwas irgendwo widerrechtlich angeeignet. Seiner Überzeugung nach ist es im Internet üblich, dass man sich bei anderen Seiten bedient und wenn man das nicht will, dann darf man eben keine Seite ins Netz stellen, u.s.w. Sachlichen Argumenten ist der Ignorantus brutalus nicht zugänglich. Statt dessen kann es passieren, dass man Drohungen erhält. Hat man sich einen solchen Parasiten eingefangen, hilft meist leider nur noch die rechtliche Keule. Wenn es sich bei dem Ignorantus brutalus um einen Ebay-Shop-Inhaber oder einen Ebay-Profiverkäufer/Power Seller handelt, hat man recht gute Chancen, wenn man sich an Ebay direkt wendet. Da man dort inzwischen um den eigenen Ruf besorgt ist, wird das Problem in der Regel auf diesem Wege erledigt.

Natürlich existieren von den hier genannten Piratentypen auch Mischformen. Außerdem gibt es Piraten, die so tun, als wären sie ein ganz anderer Piratentyp. Beispielsweise kann sich der Garnixwissicus die Maske eines Ignorantus brutalus zulegen. In der Biologie nennt man so etwas "Mimikry". Dort dient es zur Tarnung und zum Abschrecken von Angreifern. In der Welt der Internetpiraten ist das im Prinzip genauso.

Abschließend möchte ich noch einmal betonen, dass Piraten - zum Glück - immer noch eher die Ausnahme, als die Regel sind. Viele Besucher der Tarotwelten, die aus irgend einem Grunde Material von diesen Seiten verwenden wollen, schreiben mir eine Mail und fragen ganz einfach an. In der Regel werden diese Anfragen auch immer positiv beschieden. In einigen Fällen hat sich sogar ein sehr netter Mailkontakt und Gedankenaustausch entwickelt. Unter denen, die offen und ehrlich sind und sich die Mühe machen, anzufragen, sind auch Jugendliche und sogar Kinder. In diesen Fällen handelte es sich meist um die Bitte, Material aus den Tarotwelten für eine Hausaufgabe zu verwenden. Bei der ersten Anfrage, die sich auf eine Hausaufgabe bezog, konnte ich kaum glauben, dass Tarot ein Thema im Schulunterricht sein könnte. Doch es scheint in der Tat so zu sein, dass hin und wieder das Thema Tarot in einigen Unterrichtsfächern auftauchen kann (Religion, Geschichte, Deutsch). Ob die entsprechende Bewertung positiv, negativ oder neutral erfolgt, entzieht sich meiner Kenntnis. Es ist mir auch, ehrlich gesagt, egal. Wenn derartige und andere ernsthafte Anfragen kommen, bin ich immer gerne bereit zu helfen, selbst über die offiziellen Inhalte der Tarotwelten hinaus. Wer aber glaubt, sich einfach bedienen und dann auch noch so tun zu können, als sei er oder sie selbst der geistige Urheber, hat buchstäblich schlechte Karten.

nach oben        weiter zu Manus Beute        und noch eine Beute