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Etteilla (Jean-Baptiste Alliette, 1738 - 1791)

Der Mann, auf den die Menschen in einem Pariser Hotel geduldig warteten, war eine Berühmtheit. Sein Name war in aller Munde. Kaum einer, der noch nicht von Etteilla gehört hatte, dem Wahrsager, der die Zukunft auf so verblüffende Weise aus Karten voraussagen konnte. Seine Bücher, in denen er das Kartenlegen mit einfachen Piquetkarten und mit Tarotkarten erklärte, waren Bestseller und viele von denjenigen, die an diesem Nachmittag darauf warteten, zu Etteilla vorgelassen zu werden, um sich von ihm die Karten legen zu lassen, hatten sie gelesen. Manch einer hatte sich auch schon selbst im Kartenlegen versucht und war nun begierig darauf, den Meister bei der Arbeit zu erleben und natürlich auch etwas über die eigene Zukunft zu erfahren. Etteillas Voraussagen galten als treffsicher. Auch soll er in der Lage gewesen sein, die Ursachen von Problemen zu erkennen, Verwicklungen aufzulösen und Gefahren zu erkennen, so dass man sie noch rechtzeitig vermeiden konnte. Eine hochwillkommene Hilfe in diesen unsicheren Zeiten in Frankreich gegen Ende des 18. Jahrhunderts.

Wenn allerdings heute unter Tarotexperten der Name Etteilla fällt, so hat das meist ein Naserümpfen zur Folge. Mehr als 200 Jahre nach seinem Tod hat der einstmals so erfolgreiche Kartenleger einen eher zweifelhaften Ruf. Perückenmacher soll er gewesen sein und kaum Bildung besessen haben. Einer, der sich sein Geld mit Wahrsagerei verdiente, vom Tarot aber nicht viel verstand. Konnte er ja auch nicht. Schließlich soll es mit dem Lesen und Schreiben bei ihm auch gehapert haben. Warum aber war Etteilla dann zu seiner Zeit so berühmt? Und wie hat er es geschafft, Bücher zu schreiben, wenn er doch gar nicht richtig schreiben konnte?

Ganz anders erscheint dieser Mann in den wenigen schriftlichen Zeugnissen seiner Zeitgenossen. In einem Einladungsschreiben, welches die Pariser Freimaurerloge der Philaleten 1784 an ihre Mitglieder versandte, wird auch Etteilla erwähnt. Anlass war ein internationaler Freimaurerkongress, der im darauffolgenden Jahr abgehalten werden sollte. Etteilla war einer der geladenen Redner und wurde auf der Rednerliste als „Professor der Algebra und der weißen Magie“bezeichnet, ein Titel, der von den Freimaurern, die sich größtenteils aus Angehörigen der oberen Bildungsschicht zusammensetzten, bestimmt nicht leichtfertig vergeben wurde. Was mag in den mehr als 200 Jahren, die seitdem vergangen sind, passiert sein, das aus einem angesehenen Experten einen ungebildeten Perückenmacher werden ließ?

Zumindest die Sache mit dem Perückenmacher ist leicht aufzuklären. Etteilla ist nie Perückenmacher gewesen. Diese Legende entstand allein dadurch, dass Etteilla die letzten Jahre seines Lebens im Haus eines Perückenmachers lebte. Mangels besserem Wissen ging man später einfach davon aus, dass er selbst diesen Beruf ausgeübt hätte. Wer diese Legende in Umlauf setzte und wann das geschah, ist heute nicht mehr genau zu klären. Man kann aber mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass dabei keine Erniedrigung Etteillas beabsichtigt war. Das Gegenteil dürfte der Fall gewesen sein. Der Beruf des Perückenmachers war zu Etteillas Zeiten ein sehr angesehener Beruf. Perücken waren teuer und nur die gut situierte Oberschicht konnte sich diesen Haarschmuck, der gleichzeitig ein Statussymbol war, leisten. Perückenmacher verfügten daher in der Regel über ein gutes Einkommen, worauf ja auch die Tatsache hindeutet, dass das Haus, in welchem Etteilla wohnte, einem Perückenmacher gehörte. Auch im 18. Jahrhundert brauchte man genügend Kapital, um sich ein Haus leisten zu können. Über ein gewisses Maß an Bildung musste ein Perückenmacher ebenfalls verfügen, denn es wurde von ihm erwartet, dass er sich mit seinen Auftraggebern, die nicht selten dem Adel angehörten, auf gleicher Ebene unterhalten konnte. Es ist also als Kompliment zu werten, wenn Etteilla in späterer Zeit der Beruf des Perückenmachers zugeschrieben wurde. Man traute ihm eine derart gehobene Stellung durchaus zu. Gleichzeitig zeigt dieser Irrtum aber auch, wie wenig selbst seine Anhänger über Etteillas bürgerliches Leben vor seiner Karriere als Kartenleger und „Professor der Algebra und der weißen Magie“ wussten.

In der Tat ist nur sehr wenig aus Etteillas frühen Jahren bekannt. Laut der französischen Encyclopedia Universalis wurde er am 01. März 1738 in Paris geboren. Sein bürgerlicher Name war Jean-Baptiste Alliette. Als er ein Pseudonym für seine öffentlichen Auftritte suchte, drehte er später seinen Nachnamen ganz einfach um. Aus Alliette wurde Etteilla. Er war der zweite Sohn seiner Eltern und trug denselben Namen wie sein Vater, dessen Beruf manchmal mit Lebensmittelhändler und manchmal mit Küchenmeister angegeben wird. Bei Letzterem könnte es sich um ein Missverständnis späterer Zeiten handeln. Angeblich soll sein Vater sich nämlich auch mit der Herstellung von Heiltränken und Stärkungsmitteln basierend auf den Korrespondenzen der vier klassischen Elemente, der vier Körpersäfte und der Astrologie beschäftigt haben. Dies wiederum würde bedeuten, dass der kleine Jean-Baptiste mit großer Wahrscheinlichkeit schon in jungen Jahren mit esoterischen Themen, wie z.B. der Astrologie in Berührung gekommen sein musste. Zwar gilt diese Nebentätigkeit des Vaters nicht als bewiesen, entbehrt aber nicht einer gewissen Plausibilität. Schließlich wird sein Sohn später der erste sein, der die vier Leitsymbole der Kleinen Arkana des Tarot mit den vier klassischen Elementen in Beziehung setzt und überdies eine Verbindung zwischen den Karten und der Astrologie herstellt. Es würde außerdem bedeuten, dass Etteilla sich seine esoterischen Theorien nicht – wie ihm manchmal indirekt unterstellt wird – aus den Fingern gesogen hat, sondern sozusagen damit aufgewachsen ist.

Über Etteillas Kindheit und Jugend ist darüber hinaus nichts bekannt. Erst im Jahr 1763 tauchen wieder gesicherte Daten auf. In diesem Jahr ist er bereits mit einer Frau namens Jeanne Vattier verheiratet, mit der er mindestens ein Kind hat. Beruflich arbeitet er als Getreidehändler, soll dann aber später auf den Handel mit Druckplatten, bzw. antiken Drucken umgestiegen sein. Im Jahre 1767 wird er von seiner Frau geschieden. Der Grund ist unbekannt. Drei Jahre nach seiner Scheidung erscheint 1770 sein erstes Buch: „Etteilla, ou manière de se récréer avec un jeu de cartes“ (Etteilla oder ein Weg sich selbst mit einem Kartenspiel zu unterhalten). Obwohl der Titel eher auf eine Anleitung zum Patience spielen schließen lässt, handelt es sich um das erste Buch der Geschichte über das Wahrsagen mit Karten. Und es sollte nicht sein letztes sein.

An dieser Stelle muss man Etteillas Kritikern zumindest zum Teil recht geben. Aus literarischer Sicht sind seine Bücher keine Meisterwerke. Der Schreibstil ist ungeschliffen und lässt in der Tat darauf schließen, dass der Autor über keine gehobene Schulbildung oder gar Universitätsbildung verfügte. Er war aber auch nicht der halbe Analphabet, als der er gerne später dargestellt wurde. Bei weitem nicht. Ihm fehlt lediglich der geschliffene und manchmal etwas ausschweifende Stil, der zu seiner Zeit „in“ war. Und was seine Bildung angeht, so zeigen seine Bücher, dass sie doch weit über dem durchschnittlichen Bildungsgrad seiner Zeit lag. Vieles davon mag er sich selbst angeeignet und nicht in höheren Lehranstalten erworben haben, aber deshalb ist sein Wissen ja nicht weniger wert. Seine numerischen Theorien – mag man nun mit ihnen übereinstimmen oder nicht – zeigen, dass er etwas von der Sache verstand. Und seine Überzeugung, dass die Quelle aller okkulten und magischen Künste im Alten Ägypten zu suchen sei, sowie seine Berechnungen über den zeitlichen Ursprung dieses Wissens, teilte er mit vielen seiner gebildeten Zeitgenossen. Zu diesen zählte auch der französische Gelehrte und Freimaurer Antoine Court de Gébelin (1719 – 1784), der immerhin zu den ausgewählten Mitgliedern der Académie Française gehörte und heute als Vater des esoterischen Tarot gilt.

In den folgenden Jahren verdiente sich Etteilla seinen Lebensunterhalt anfangs noch als Händler und betrieb das Kartenlegen nur nebenbei. Mit der Zeit wurde es dann zu seinem Hauptberuf. Zusätzlich bot er Unterricht im Kartenlegen an und die Zahl seiner Schüler wuchs ständig. Wer nicht bei ihm persönlich Unterricht nehmen konnte, benutzte seine Bücher. Eine seiner Schülerinnen sollte ihn später sogar noch an Ruhm übertreffen: wir wissen heute nicht, ob Marie-Anne Lenormand, die legendäre Sibylle von Paris, jemals selbst mit Etteilla zusammengetroffen ist, doch es kann als wahrscheinlich angesehen werden, dass auch sie das Kartenlegen nach seiner Methode erlernte.

Etteilla war nicht nur ein guter Kartenleger, sondern auch ein cleverer Geschäftsmann, der sich gut zu vermarkten wusste. Gerade das aber wurde ihm später von seinen Kollegen des 19. und 20. Jahrhunderts verübelt. Sie warfen ihm vor, das Kartenlegen nur zum Zwecke schnöder Jahrmarktswahrsagerei missbraucht und nur seine eigene Bereicherung im Sinne gehabt zu haben. Doch Etteilla beschäftigte sich sehr ernsthaft mit der Erforschung der verborgenen okkulten und esoterischen Geheimnisse der Karten, die seiner Überzeugung nach seit Jahrhunderten in Geheimorden- und bünden überliefert worden waren. Vieles von dem, was heute in Bezug auf das Tarot als traditionelles Wissen betrachtet wird, geht auf Etteilla zurück. Er war es, der die Grundbedeutung der Karten herausarbeitete und die ersten Deutungsregeln aufstellte. Auf ihn geht die Zuordnung der vier klassischen Elemente zurück. Er war der Erste, der eine Verbindung zur Astrologie herstellte. Er war der Erste, der einen Zusammenhang zwischen den Karten und der Numerologie sah und herausarbeitete. Es war auch Etteilla - und nicht Court de Gébélin oder Eliphas Lévi - der als Erster auf mögliche Verbindungen zwischen dem Tarot und der Kabbala hinwies. All die großen Namen, die nach ihm kamen, haben letztendlich von seinem Wissen profitiert, doch nur wenige waren bereit, dass auch zuzugeben. Nur ungern wollte man sich mit dem Möchtegern-Gelehrten Etteilla auf eine Stufe stellen lassen oder gar gestehen, dass man sein Wissen aus den Büchern eines „ungebildeten Perückenmachers“ bezog.

Etteilla hat das Kartenlegen nicht erfunden. Schon lange vor ihm war das Wahrsagen mit Karten ein beliebter Zeitvertreib und es existierten auch bereits spezielle Wahrsagekarten mit einfachen Symbolen. Doch Etteilla war der erste, der ein Deutungssystem entwickelte und dabei auch die Numerologie und die Astrologie mit einbezog. Er stellte eigene Forschungen an, suchte nach historischen und ursächlichen Zusammenhängen. Anfangs benutzte er einfache Spielkarten. Später entwarf er eigene Karten, die als Etteilla-Karten bekannt wurden.

Mit keinem Wort erwähnte Etteilla jedoch in dieser Zeit das Tarot. Der Grund hierfür lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit ausmachen. Die einfachste Erklärung wäre, dass er das Tarot überhaupt nicht kannte. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht, denn das Tarot war als Spiel zu Etteillas Zeiten längst in Frankreich verbreitet. Erst nachdem Court de Gébélin (s.o.) in seinem mehrbändigen Werk „Le Monde Primitif, analysé et comparé avec le Monde Moderne“ ausführlich auf das Tarot und seine verborgene Symbolik einging, meldete sich auch Etteilla zu Wort und behauptete, sich bereits seit 1757 mit der Erforschung des Tarots zu beschäftigen. Womit er wieder der Erste gewesen wäre. Das klingt natürlich stark nach einem Versuch, sich nicht von de Gébelin in den Schatten stellen zu lassen. Andererseits kann man auch nicht ausschließen, dass seine Behauptung stimmt und Court de Gébélin ihm nur mit der Veröffentlichung seiner Studien zuvor gekommen ist.

1785 bringt Etteilla dann sein Tarotbuch „Manière de se récréer avec un jeu de cartes nomées Tarots „ (Ein Weg sich selbst mit einem Kartenspiel namens Tarot zu unterhalten) heraus. Der Titel dieses Buches, der stark an den Titel seines ersten Buches erinnert, war nicht Etteillas Wunschtitel. Er wollte sein Buch „La Cartonomancie égyptienne ou les Tarots“ (Die ägyptische Wahrsagekunst mit Karten oder die Tarotkarten) nennen und beantragte diesen Titel, wie es damals üblich war, bei der zuständigen Behörde. Er wurde nicht genehmigt. In diesem Zusammenhang wird bis heute gelegentlich der Verdacht geäußert, dass es Court de Gébélin war, der mit seinem Einfluss Etteillas gewählten Titel verhinderte und die Verantwortlichen dazu brachte, den eher profanisierenden Titel zuzuweisen, unter dem das Buch dann erschien. Eine solche Einflussnahme wäre de Gébélin durchaus möglich gewesen. Trotzdem sollte man diese angebliche Intrige des großen Gelehrten getrost in das Reich der Legenden verweisen. Schließlich kann man nicht so einfach an der Tatsache vorbeigehen, dass Court de Gébélin bereits im Mai 1784 verstorben ist...

Ungefähr drei Jahre nach seinem Tarotbuch veröffentlichte Etteilla ein von ihm selbst entworfenes Tarotdeck, welches ausschließlich zum Wahrsagen konzipiert war. Es war das erste esoterische Tarot überhaupt. Alle anderen bis dahin existierenden Tarotdecks dienten in erster Linie als Spielkarten. Etteilla nannte sein Tarot „Das Buch Thot“ nach dem altägyptischen Gott der Weisheit. Von diesem Deck sind heute nur noch wenige Karten erhalten, die sich in Privathand befinden. Es war letztendlich aber auch dieses Tarot, welches dazu führen sollte, das es sich Etteilla endgültig mit seinen späteren Kollegen verscherzte. Bereits Court de Gébélin und nach ihm auch die okkulten Tarotisten des 19. Jahrhunderts waren davon überzeugt, dass die Reihenfolge der Großen Arkana, also der 22 Trümpfe des Tarot, eine ganz bestimmte Bedeutung habe und daher nicht verändert werden dürfe. Etteilla schlachtete diese heilige Kuh, kaum dass sie geboren war. Er war der Meinung, dass die Arkana-Reihenfolge des Tarot nicht die ursprüngliche sei und sortierte die Großen Arkana entsprechend um. Und obwohl wir heute wissen, dass die Großen Arkana in den ältesten Tarotdecks nicht nummeriert waren und es daher durchaus möglich wäre, dass die traditionelle Reihenfolge der Karten nicht die ursprüngliche ist, wurde ihm dieser Schritt bis heute von vielen nicht verziehen.

Kurz nach dem Erscheinen seines Tarot gründete Etteilla eine Organisation, die sich der Erforschung und dem Studium des Tarot widmete. Leider konnte er dieser Organisation nur 3 Jahre lang vorstehen. 1791 verstarb der Vater des Kartenlegens im Alter von nur 53 Jahren.

Etteilla hatte immer behauptet, die Geheimnisse des Kartenlegens von einem Italiener gelernt zu haben. Demnach hätte er sein Wissen direkt aus dem Mutterland des Tarot bezogen. Ob das stimmt, lässt sich natürlich nicht mehr nachprüfen. Man kann aber mit einiger Sicherheit annehmen, dass seine Kartendeutungen zumindest zum Teil auf überlieferten Traditionen beruhten, deren Ursprung heute nicht mehr auszumachen ist. Vieles wurde aber auch von ihm selbst hinzugefügt, wobei er sich der Numerologie und der Astrologie bediente. Er war nicht nur bei der Erforschung der okkulten Hintergründe der Karten in vielem der Erste. Er schrieb auch das erste Buch über das Wahrsagen mit Karten. Er war der erste professionelle Kartenleger der Geschichte, er schrieb das erste Tarotbuch, er gründete die erste Tarotgesellschaft und er erschuf das erste esoterische Tarot. Er war im Grunde genommen auch derjenige, der das Tarot populär machte. Wie schon Decker, DePaulis und Dummett in ihrem Buch „A wicked Pack of Cards“ ganz richtig bemerkten, ist es durchaus zweifelhaft, ob Court de Gébélins Tarot-Theorien überhaupt soviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätten, wenn Etteilla das Kartenlegen und insbesondere das Tarot nicht so populär gemacht hätte. Man könnte sogar soweit gehen, und darüber spekulieren, ob de Gébélin überhaupt im Tarot etwas Besonderes erkannt hätte, ohne Etteillas Buch und seine Theorien, die zum Zeitpunkt von de Gébélins Tarot-Erleuchtung immerhin bereits einige Jahre existierten. So mag man zwar heute in Court de Gébélin den Vater des esoterischen Tarot sehen, darf aber bezweifeln, ob er es ohne Etteilla jemals geworden wäre.

Zwar gehen die heute als traditionell geltenden Grundbedeutungen der Karten im Kern auf Etteilla zurück, wurden aber im Laufe der letzten 200 Jahre immer wieder modifiziert und weiter entwickelt, so dass ihre ursprüngliche Bedeutung heute manchmal kaum noch zu erkennen ist. Hauptsächliche Ursache hierfür waren die esoterischen Theorien und Spekulationen, wie sie insbesondere im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in okkulten Kreisen entwickelt wurden. Etteillas Kartendeutungen waren zu einfach, zu direkt und verfügten nach Meinung der maßgeblichen Tarotisten nicht über genügend Tiefe. Trotz allem führten Etteillas Anhänger das Erbe ihres Lehrers fort. Bis heute gibt es in Frankreich Kartenleger, die das Tarot nach Etteilla anwenden. Und sie haben einen guten Ruf unter ihren Klienten. Doch es sind nur wenige und außerhalb Frankreichs ist das Kartenlegen nach Etteilla heute fast völlig in Vergessenheit geraten.

Quellenangaben:
Bild: Wikipedia commons, Permission = "by age"
Encyclopedia Universalis France
Eckhard Graf, Die Magier des Tarot
James W. Revak, Great Tarotists of Yesteryear

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