Elfen Tarot (McElroy)

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Dies ist bereits das zweite Tarot aus dem Verlag Lo Scarabeo/Königsfurt mit dem Titel "Elfen Tarot". Deshalb wird es von Verlagsseite auch als das "Neue Elfen Tarot" bezeichnet. Ich ziehe es jedoch vor, statt dessen zur Unterscheidung der beiden gleichnamigen Tarots den Namen des Autors beizuschreiben. Zwar ist das Elfen Tarot von Mark McElroy und Davide Corsi in der Tat ein neues Elfen Tarot. Es ist aber auch ein ganz anderes Elfen Tarot als das erste Deck gleichen Namens.

In dem kleinen Begleitheft, welches, wie immer, dem Deck beiliegt, sagt Mark McElroy, dass er "...Statt ein Deck zu schaffen, dessen Thema die Elfen waren oder ein Deck weiter zu entwickeln, indem ich die Elfen in die Standardgestalten einer RWS-Struktur zwängte (Anmerkung von mir: RWS = Rider Waite Smith), beschloss ... ein echtes "Elfen-Tarotdeck" ins Leben zu rufen - ein Deck, das die Elfen selbst zu Rate ziehen können....". Nach zehnjähriger Beschäftigung mit dem Thema Tarot und einer intensiven mentalen Annäherung an die von Elfen verkörperten Wesen ist ihm das denn auch gelungen. Eine gewisse, immer noch vorhandene RWS-Struktur lässt sich aber auch bei diesem Elfen Tarot nicht ganz verleugnen. Letztendlich ist das gut so, denn auf diese Weise ist das neue Elfen Tarot auch für Anfänger geeignet und selbst die Elfen, für die das Deck ja auch gedacht ist, werden über das zumindest noch rudimentäre Vorhandensein der traditionellen Tarotstrukturen bestimmt nicht böse sein.

Ein recht gut nachvollziehbares Problem, mit dem sich McElroy konfrontiert sah, war die Tatsache, dass die Vorstellungen Elfen (auch Elben genannt) heutzutage wesentlich von der Beschreibung dieses mythischen Volkes in Tolkiens Herr der Ringe bestimmt sind und abweichende Darstellungen nur schwer akzeptiert werden. Doch es gibt schließlich noch weitere Elfen-Mythen. Einer dieser alten Mythen ist die Erzählung über den legendären Elfenkönig Oberon und seinen Sohn Alberich, die in verschiedenen Variationen existiert. Die berühmteste ist vermutlich Shakespeare's Sommernachtstraum. Außerdem ist Oberon die Hauptfigur in Carl Maria von Webers gleichnamiger Oper. Über Alberich ist dieser Mythos, bzw. eine Variante davon, nicht nur mit der Nibelungensage verknüpft, sondern auch mit der Stammsage der Merowinger. 

Das Elfen Tarot erzählt die Geschichte Oberons und Alberichs anhand der Reise des Narren, verkörpert durch Alberich, dessen bis dahin unbeschwertes Dasein abrupt endet, als der dunkle Elf Dokkalfar seinen Vater Oberon verzaubert, seine Mutter ermordet und mit vier heiligen Reliquien, einem Stab, einem Kelch, einem Schwert und einer Scheibe entkommt. Entsprechend erzählen die vier Kartensätze der Kleinen Arkana dann auch die Geschichte der jeweiligen Rückeroberung dieser Reliquien, während die Großen Arkana die Hauptgeschichte wiedergeben.

Trotz aller Bemühungen um Eigenständigkeit haben die Elfen, die der Künstler Davide Corsi in den Bildern des Elfen Tarots darstellt, doch eine unübersehbare Ähnlichkeit mit den Elfen aus der Verfilmung des Herrn der Ringe. Nichts desto trotz sind die Bilder einfach wunderschön und sehr sprechend. Sie erinnern in gewisser Weise an die ebenfalls wunderschönen Bilder des Gilded Tarots (siehe dort), ein Eindruck, der nicht zuletzt durch den bei beiden Decks verwendeten schwarzen Hintergrund, die fantastische Art der Darstellung und Farbgebung und die ebenfalls bei beiden Tarots vorhandenen, recht ähnlichen ovalen, golden eingerahmten Edelsteine am oberen Kartenrand hervorgerufen werden, die in beiden Decks durch ihre Farbe symbolisch die Großen Arkana und die vier Elementsätze der Kleinen Arkana unterscheiden.

Anders, als beim Gilded Tarot, gibt es jedoch im Elfen Tarot drei Karten, die ich in ihrer Darstellung als unangemessen bezeichnen würde: Auf der Karte der Hohepriesterin ist die ermordete Mutter Alberichs zu sehen, die in einer Blutlache liegt. Die Zwei der Schwerter zeigt, wie der Dunkle Elf dem kleinen Sohn Calivans ein Messer an die Kehle setzt um Calivan mit der Androhung der Ermordung seines Sohnes zur Herausgabe des Schwertes zu zwingen. Die Drei der Schwerter zeigt das Ergebnis: Calivan hat sich für das Schwert und gegen seinen Sohn entschieden. Das Kartenbild zeigt den toten Sohn in den Armen seines Vaters. Deutlich ist die aufgeschlitzte, blutige Kehle des Kindes zu sehen. Derartige Darstellungen sind nun einmal, meiner Meinung nach, unangemessen gewalttätig, da man die symbolischen Bedeutungen, die darin enthalten sind, auch anders hätte umsetzen können, ohne dass Bedeutungsinhalte dabei verloren gegangen wären. Die Aussagen der fraglichen Karten werden durch die grausame Art der Darstellung weder eindringlicher noch tiefgründiger. Es gibt keine Rechtfertigung für Grausamkeit. Alles, was diese Karten zusätzlich zeigen ist einfach nur mangelnde Sensibilität und wenig Einfühlungsvermögen.

Ebenfalls in dem kleinen Begleitheft gibt McElroy an, dass "...ein mit einem besonders ruhigen Gemüt gesegneter Kollege und Tarotautor auf die Vorabpräsentation von drei "unnormalen" Abbildungen mit ungewöhnlichem Ärger reagiert hat." McElroy führt diese Reaktion ursächlich darauf zurück, dass die Mythen und Legenden der westlichen Kultur heutzutage in amerikanischen und englischen Schulen nur noch selten gelehrt werden. Aus diesem Grunde sei vieles in Vergessenheit geraten, was früher (mentales) Gemeingut war. Dies wiederum führe zu irrationalen Ängsten gegenüber dem Tarot, weil hier Symbole auftauchen, die der "normale" Mensch nicht mehr zu deuten weiß und deshalb als "böse" und "teuflisch" empfindet. Soweit kann ich McElroy zustimmen. Der Autor führt dann weiter aus, dass seiner Meinung nach der "ungewöhnliche" Ärger des ansonsten eher toleranten Kollegen darauf zurückzuführen sei, dass dieser ebenfalls, aufgrund seines mangelnden Wissens um die zugrunde liegenden Mythen die Symbolik der fraglichen Karten nicht verstanden und diese daher als "unnormal" empfunden habe. Sollte es sich bei diesen Karten, die McElroy nicht nähre bezeichnet, um eben die drei Karten handeln, die ich oben als unangemessen bezeichne, so kann ich McElroy in seiner Auffassung bzgl. der Ursache des Ärgers seines Kollegen nicht zustimmen.

Ich kenne mich schon recht gut in den westlichen Mythen aus. Vielleicht bin ich kein Experte auf diesem Gebiet, aber alte Mythen wurden in meiner Familie seit Generationen weitergegeben. Vieles kenne ich daher von Kindesbeinen an. Das auch ich die Darstellungen auf diesen drei Karten anprangere hat absolut nichts mit "unnormalen" Abbildungen zu tun, sondern ganz einfach mir der unangemessenen Art und Weise, wie hier eine symbolische Aussage dargestellt wird. Das hat nichts mit dem Wissen oder Nicht-Wissen um alte Mythen zu tun und auch nicht mit dem Verstehen oder Nicht-Verstehen von Symbolen, bzw. symbolischen Darstellungen und Aussagen. Hier geht es ganz einfach um das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein von genügend Sensibilität um mit diesen Dingen umzugehen und ihre Inhalte zu vermitteln. Andere Wege der Darstellung hätten die Symbolik genauso gut herübergebracht. "Unnormal" bezeichnet für mich hier nicht eine symbolische Darstellung, die völlig anders ist, als die traditionelle Darstellungsweise, sondern die ganz einfach in Bezug auf eine bestimmte mentale Haltung und Ethik nicht normal ist. Noch einmal: es gibt keine Rechtfertigung für Grausamkeit. Jeder aber, der solche Darstellungen als notwendig für das Verständnis der damit verbundenen Aussage verteidigt, rechtfertigt gleichzeitig die darin enthaltene rein exoterische Grausamkeit mit deren Symbolgehalt.

Allerdings ändert das Vorhandensein dieser drei fraglichen Karten keinesfalls die Aussagekraft und den künstlerischen Wert des Elfen Tarots. Wer hätte je ein Tarotdeck gesehen, bei dem alles perfekt ist. Und wie langweilig das sein würde, wenn es so wäre. Aus der großen Menge der Lo-Scarabeo-Tarots ist das neue Elfen Tarot jedenfalls eines der wenigen, die herausragen, sowohl als Arbeitsdeck für Tarotisten, als auch als Sammlerstück für Tarotsammler.     

Zum Elfen Tarot gibt es einen Begleitroman, in welchem die dem Deck zugrunde liegenden Elfen-Geschichten von Mark McElroy erzählt werden. Dieser Roman ist bisher jedoch nur in englischer Sprache erschienen.    


Das Elfen Tarot bekommt man beim Verlag Königsfurt-Urania, sowie im Esoterikhandel
oder im Buchhandel.

Weitere Kartenbilder sind in der Tarotsammlung zu sehen. 

Copryright © 2007 des Elfen Tarots by Lo Scarabeo, Turin