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Das Gral-Tarot - The Grail Tarot
John Matthews * Giovanni Caselli

Das sowohl die Tempelritter, als auch die Gralssuche mit dem Tarot in Verbindung gebracht werden, ist im Grunde genommen nichts Neues. Immer wieder tauchte im Laufe der Zeit die Vermutung auf, dass die Tempelritter die (letzten) Hüter des Grals gewesen wären und das im Tarot versteckte Hinweise sowohl auf die Templer, als auch auf den Gral zu finden sein könnten. Nüchtern betrachtet muss man dazu allerdings sagen, dass sich in der bislang recherchierten Geschichte des Tarots nicht der kleinste Hinweis auf einen Verbindung zu den Tempelrittern finden lässt. Gerechterweise muss man allerdings gleichfalls sagen, dass das für sich genommen noch kein Beweis dafür ist, dass es auch wirklich nie eine Verbindung zwischen dem berühmten Mönchsritterorden und den Tarotkarten gegeben hat.

Unabhängig davon, ob es nun wirklich einen Zusammenhang zwischen Templern, Gral und Tarot gibt oder nicht, bietet sich die Geschichte der Templer in Verbindung mit der Gralssuche natürlich geradezu als Basis für ein thematisch gebundenes Tarot an. Mit dem Tarot des Heiligen Gral von Lorenzo Tesio und Stefano Palumbo (Lo Scarabeo/Königsfurt) liegt ja bereits ein gelungenes Deck dieser Art vor. Das Gral-Tarot von John Matthews und Giovanni Caselli steht diesem in nichts nach. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Tarots liegt in der Umsetzung des zugrunde liegenden historischen Stoffes und der künstlerischen Gestaltung der Karten. Beim Tarot des Heiligen Gral liegt der Schwerpunkt eher im historisch-weltlichen Bereich. Die künstlerische Gestaltung der Karten entspricht dem Stil der heutigen Zeit. Auch das Gral-Tarot hält sich an die Historie, doch stehen hier die Mystik und die Legenden um den Heiligen Gral im Vordergrund und die künstlerische Gestaltung orientiert sich in sehr gelungener Weise an der Kunst des Mittelalters.

Das Gral-Tarot ist bislang nur als Set mit Buch erhältlich. Das gut verständlich geschriebene Buch bietet nicht nur Erklärungen zu jeder Karte, sondern auch einen interessanten und informativen Abriss der Geschichte der Templer und der verschiedenen Gralslegenden. Wir begegnen hier so ziemlich jeder Persönlichkeit, von König Salomo bis Jacques de Molay, die im Laufe der Jahrhunderte mit der Gralslegende und den Templern in Zusammenhang stand. Da liegt es fast schon auf der Hand, dass die meisten der Großen Arkana nicht die traditionellen Kartenbezeichnungen tragen.

Im Einzelnen lauten die Kartenbezeichnungen der Großen Arkana wie folgt: 0 - Der Gralssucher, 1 - Der gnostische Christus, 2 - Maria Magdalena, 3 - Die Königin von Saba, 4 - Salomo, 5 - Melchisedek (in der Bibel oberster Priester und König von Salem, wird manchmal als identisch mit dem Erzengel Michael betrachtet), 6 - Die beiden Tempelritter, 7 - Salomos Schiff (spielt eine wichtige Rolle in den Gralssagen), 8 - Die Komturei (Komtureien waren Burgen, die als Verwaltungszentren der Templer dienten), 9 - Johannes der Priester (auch Priester Johannes, ein legendärer mittelalterlicher Priesterkönig eines paradiesischen Reiches, das mal in Indien, mal in Äthiopien vermutet wurde; sehr wahrscheinlich handelt es sich bei Priester Johannes aber um eine reine Sagengestalt), 10 - Das Glücksrad, 11 - Die Schechina (in der jüdischen Mystik die weibliche Seite Gottes), 12 - Der verwundete König (der Legende nach ein Gralshüter und Nachfahre des Joseph von Arimathia, der seine Pflichten vernachlässigte und dafür eine Wunde empfing, die nur von demjenigen geheilt werden konnte, der den Gral fand), 13 - Das Heilige Grab, 14 - Sarras (sagenumwobene Insel der Gralslegenden), 15 - Luzifer, 16 - Die Zerstörung des Tempels, 17 - Parzival (legendärer Gralssucher, der im 12. Jahrhundert von Chrétien de Troyes erstmals erwähnt wird, hauptsächlich aber durch das ebenfalls aus dieser Zeit stammende, mittelalterliche Epos von Wolfram von Eschenbach bekannt ist), 18 - Dindran (Schwester Parzivals), 19 - Bors (Gralssucher, der als einziger an den Hof von König Artus zurückkehrt um von der Gralsssuche zu berichten), 20 - Die Genesung (Heilung des verwundeten Königs durch Galahad), 21 - Die Gralsprozession.

Einer der Hauptgründe für die angenommene Verbindung zwischen dem Tarot und der Gralssuche ist die Ähnlichkeit der vier Elementsymbole des Tarots mit den sogenannten Gralsheiligtümern, welche in den Legenden immer wieder erwähnt werden: die Lanze, der Kelch (der Gral selbst), das Schwert und der Stein. Dem entsprechend tragen die Karten der Kleinen Arkana hier auch nicht die Bezeichnungen der traditionellen Elementsymbole, sondern die der Gralsheiligtümer. Die Hofkarten wurden in Dame (Königin), Meister (König), Präzeptor (Ritter) und Bruder (Bube) umbenannt. Alle Karten der Kleinen Arkana erzählen zusammen eine Geschichte. Die Damen (Königinnen) zeigen Maria in vier verschiedenen Stationen ihres Lebens, von der Jugend bis zu ihrer Himmelfahrt. Drei der Meister sind drei berühmte Großmeister der Tempelritter: Hugo von Payn, der Ordensgründer (hier allerdings "Payen" geschrieben), Wilhelm von Chartres, der 14. Großmeister des Ordens und Jacques de Molay, der letzte Großmeister der Tempelritter, der den legendären Fluch aussprach. Die Präzeptoren und die Brüder stellen immer dieselbe Person dar. Sie sind die Hauptprotagonisten der Geschichte, welche die Kleinen Arkana erzählen. Im Satz der Steine führt der Präzeptor der Steine den Bruder der Steine als Novizen in den Templerorden ein. Die Karten der Steine zeigen dann den Entwicklungsweg des Novizen. Im Satz der Schwerter wird der Novize als Bruder der Schwerter vom Präzeptor der Schwerter zum Tempelritter geschlagen, um dann als solcher seine Erfahrungen zu sammeln, die auf den Karten der Schwerter dokumentiert werden. Der Präzeptor der Lanzen schließlich übergibt dem Bruder der Lanzen, welcher inzwischen ein erfahrener und gereifter Ritter ist, die heilige Lanze. Doch auch im Satz der Lanzen muss der Ritter noch so einige Erfahrungen machen. Im Satz der Gefäße (des Grals) schließlich ist der ehemalige Novize aus dem Satz der Steine am Ziel. Er wird selbst zum Großmeister gewählt und ist der 4. Meister, der Meister der Gefäße. Der Präzeptor der Gefäße führt indessen einen neuen Novizen als Bruder der Gefäße in den Templerorden ein, der dann, dokumentiert durch die Zahlenkarten der Gefäße, seine ersten Erfahrungen macht.

Wie bereits erwähnt gibt es in der Geschichte keinerlei Hinweise auf eine Verbindung zwischen Tarot und Templern, aber auch keinen Beweis für das Gegenteil. Erfreulicherweise versucht John Matthews auch nicht, Beweise vorzutäuschen, die gar nicht existieren, sondern hält sich in seinem Begleitbuch an die historischen Tatsachen. Die Hinweise auf mögliche numerologische Zusammenhänge zwischen wichtigen Daten der Templergeschichte und den Großen Arkana werden deutlich als das gekennzeichnet, was sie sind, nämlich mögliche Hinweise und keine Beweise. Diese Ehrlichkeit erhöht die Glaubwürdigkeit.


Normalerweise sind Tarots, die in der Darstellung, der Symbolik und bei den Kartenbezeichnungen stark vom traditionellen Tarot abweichen, für Anfänger nicht zu empfehlen. Mit dem Gral-Tarot können es aber auch Tarot-Novizen versuchen, wenn Sie bereits über ein wenig Tarot-Grundwissen verfügen. Das Begleitbuch und die durch das Deck führende Geschichte erleichtern die Deutung der Karten und vermitteln zusätzliche interessante Interpretationsimpulse. Fortgeschrittene und erfahrene Tarotisten werden an diesem Deck ihre Freude haben und durch die gelungene Gestaltung der Karten wird es eine Bereicherung für jede Tarotsammlung.


Das Gral-Tarot bekommt man im Esoterik-Fachhandel, in Esoterikabteilungen im Buchhandel oder direkt beim 
Südwest Verlag.

Weitere Kartenbilder sind in der Tarotsammlung zu sehen.

Zum Thema Tarot, Tempelritter und Gral siehe auch: Das Tarot des Heiligen Gral.

Copryright © 2007 Connections Book Publishing Limited, London
Copryright © 2007 für die deutsche Ausgabe Südwest Verlag

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