Lo Scarabeo Tarot  -  Teil 1

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Das Lo Scarabeo Tarot wurde von dem gleichnamigen Verlag anlässlich seines zwanzigjährigen Bestehens herausgegeben. Konzipiert wurde es als "Flagschiff unter den Decks", was insbesondere dadurch ausgedrückt wird, dass die Kartendarstellungen die drei großen Tarottraditionen des esoterischen Tarots vereinen: das Tarot de Marseille, das Rider Waite Tarot und das Crowley Tarot (Thoth Tarot). Schon auf der Faltschachtel des Decks ist denn auch der vielversprechende Hinweis zu lesen: "Die Kunst der Weissagung eröffnet ein neues Kapitel". Nun ja.

Das Konzept klingt wie eine echt gute Idee. Von den drei großen Tarottraditionen kommt auf den Kartendarstellungen des Lo Scarabeo Tarots allerdings hauptsächlich die des Rider Waite zum Ausdruck. Die anderen beiden sind etwas schwieriger zu entdecken, aber durchaus vorhanden und in der Regel gut eingebaut. Die Kartenbilder als solche wirken, bis auf wenige Ausnahmen, etwas blass, die Zeichnungen, anders, als beim Rider Waite, comikhaft. Interessant ist aber die Symbolik. Natürlich orientiert sie sich stark an Rider Waite, Crowley und Tarot de Marseille, zeigt aber auch teilweise ganz eigene Züge. Leider sind die Angaben zu den Kartenbedeutungen im Begleitheft mehr als nur rudimentär. Sie umfassen, für alle 78 Karten zusammen, nicht einmal ganz zwei Seiten. Für jede Karte werden jeweils nur zwei Stichworte angegeben: eines für die positive und eines für die negative Kartenbedeutung. Das liest sich dann so: 0 - der Narr. Unschuld. Wahn. I - der Magier. Beherrschung. Trick. II - die Hohepriesterin. Intuition. Behauptung. III - die Herrscherin. Fruchtbarkeit. Zu viel Schutz.... u.s.w.. Ausgewiesen wird das ganze als "Weissagungswörterbuch". Ehrlicherweise wird aber auch empfohlen, ruhig "...Bedeutungen zu verwenden, die Sie in anderen Büchern gefunden haben." Das ist auch dringend notwendig. Weiterhin ist im Begleitheft zu lesen: "...Wenn Sie sich von den Abbildungen leiten lassen, wird Ihre Intuition Sie zu Bedeutungen führen, die Sie nirgendwo schwarz auf weiß gedruckt finden." O.k. Das ist nur zu wahr und letztendlich genau das, was Tarot ausmacht. Trotzdem, ein wenig ausführlichere Erklärungen zu den Karten des "Flagschiffs unter den Decks" wären, bei einem Tarot, dass auch für Anfänger gedacht ist, vielleicht nicht verkehrt gewesen.   

Die einzige Karte, auf die zusätzlich etwas genauer eingegangen wird, ist der Narr. Wir erfahren, dass er, anders als seine drei Waite-, Crowley-, und Marseiller-Brüder, "...fest auf einem Boden voller Wolken steht...", was bereits schon für sich genommen eine gute Metapher für die Kartenbedeutung ist. Sein Gewand ist, nach dem Vorbild des Crowley-Narren, grün. Die Ärmel zeigen die Glöckchen des Marseiller Narren. Seine Augen sind geschlossen und er wirkt beinahe etwas "unirdisch", wie er so auf den Wolken dahinschreitet, ein Effekt, der auch so beabsichtigt ist. Er scheint gerade einen Bogen durchschritten zu haben, dessen Form an eine Vesica Pisces oder eine Mandalora erinnern soll. An beiden Seiten wird dieser Bogen von Weinreben umrankt. Diese sind nicht nur, wie im Begleitheft angegeben, ein Attribut des römischen Weingottes Bacchus (griech. Dionysos), sondern stehen auch für Weisheit, Wahrheit, Vitalität und Unsterblichkeit. An der Spitze des Bogens sieht man einen kleinen Schmetterling, Symbol für die Verwandlung und die Seele. Auf der anderen Seite des Bogens sehen wir graue Wolken, bzw. wabernden Nebel hinter dem sich Dunkelheit erahnen lässt. Es scheint, als wäre der Narr gerade aus einer anderen Welt in die diesseitige gekommen. Über der rechten Schulter trägt er den Stab mit dem Beutel (hier: eine Tasche) und in der linken Hand hält er einen Feuerkelch. Natürlich fehlt auch der kleine Hund nicht, dem ja symbolisch eine wichtige Bedeutung zu kommt. Außerdem sind alle vier Elemente des Tarots in diesem Kartenbild vertreten: Feuer (Stab, Sonne, das Feuer im Kelch), Wasser (Kelch, Schmetterling), Luft (Wolken) und Erde (Hund). Alles in allem ist es eine wirklich gelungene Darstellung der Karte des Narren. Und in diesem Sinne geht es, mit wenigen Ausnahmen, durch das gesamte Deck weiter. 

Da wäre z.B. der Hierophant. Er ist eine gelungene Mischung hauptsächlich aus Crowley und Waite. Die beiden Mönche des Waite Tarots werden hier nicht in Persona gezeigt, sondern sind nur durch die Rosen und die Lilien präsent, wodurch deren Symbolik betont wird. Die Augen des Hierophanten sind, wie bei Crowley, ohne Augäpfel, also blicklos. Beim Lo-Scarabeo-Hierophanten wirken sie jedoch durch die schwarze Farbe der Augenhöhlen sehr intensiv und betonen seine Blindheit. Gleichzeitig geben sie seinem Gesichtsausdruck etwas unirdisch-geistiges und drücken sowohl Weisheit, als auch Gefahr aus.

Die Karte der Liebenden orientiert sich hauptsächlich an Waite. Der Engel trägt jedoch, wie bei Crowley, eine Augenbinde, die hier aber besser in den Blickpunkt gerückt ist, da der Engel, wie bei Waite, groß und in Vorderansicht erscheint. Auch auf dieser Karte sind wieder alle Elemente des Tarots vereinigt, dargestellt durch ihre Elementsymbole. Die gekrönte Frau trägt die weiblichen Symbole Kelch und Pentakel. Der gekrönte Mann trägt die männlichen Symbole Stab und Schwert.