Leonardo da Vinci Tarot

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Als dieses Deck zum ersten Mal herausgegeben wurde, war Dan Brown's Da-Vinci-Code (Sakrileg) noch nicht geschrieben. Damals bestand das Leonardo da Vinci Tarot nur aus den 22 Großen Arkana, die von Iassen Ghiuselev gemalt worden waren. Unter Sammlern, insbesondere unter denjenigen, die Tarotdecks auch aufgrund ihres künstlerischen Wertes sammelten, wurde es ein großer Erfolg. Das lag vor allen Dingen daran, dass es Ghiuselev gelungen war, "...absolut überzeugend den natürlichen Reiz des Leonardischen chiaroscuro (spezielle Schattierungstechnik)..." getroffen zu haben, wie ein namhafter Kunsthistoriker schrieb. 

Der Anspruch an die künstlerische Gestaltung war bereits für die Großen Arkana hoch gewesen und sollte es auch bleiben, als man sich entschloss, dem ursprünglichen Arkana-Deck auch noch die 56 Kleinen Arkana hinzuzufügen. Da sich alle Kartenbilder an authentischen Leonardo-Kunstwerken orientieren, bzw. diese mit einbeziehen sollten, war es schon schwer genug gewesen, entsprechende Bilder oder Zeichnungen Leonardos für die ursprüngliche Ausgabe aufzuspüren. Nun sollten noch 56 weitere Kartenbilder nach dem gleichen strengen Maßstab erstellt werden. Daher dauerte es ganze zehn Jahre, bis das komplette Deck mit 78 Karten fertig war. Erschwerend kam hinzu, dass Ghiuselev nicht mehr zur Verfügung stand. Es musste also ein Maler gefunden werden, der das begonnene Werk adäquat fortführen konnte. Doch mit Atanas Atanassov, der seine Fähigkeiten mit hervorragenden Künstlertarots, wie z.B. dem Bosch Tarot oder dem Mantegna Tarot bewiesen hat, wurde schließlich ein solcher Künstler gefunden.

Als das komplette Leonardo da Vinci Tarot dann auf den Markt kam, wurde es von den meisten Tarotisten und Tarotkunstliebhabern erst einmal mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Von der künstlerischen Seite her war das Deck absolut top. Aber die farbliche Gestaltung, die zwar durch Da Vincis spezielle Schattierungstechnik (s.o.) gut begründet war, wirkte auf viele zu eintönig und zu düster. Obwohl die Bezüge zu den traditionellen Kartendarstellungen nach Rider-Waite bei den meisten Karten weitgehend erkennbar waren, gab es doch auch Karten, deren Bildsymbolik nicht so einfach nachvollziehbar erschien und das übliche kleine Begleitheft bot keinen Raum, die Kartenbilder ausreichend zu erklären. Erst als neben der einfachen Ausgabe des Tarotdecks von Lo Scarabeo auch die sogenannte De-Luxe-Ausgabe (erschienen bei IRIS Bücher & mehr) verfügbar war, änderte sich das. Die De-Luxe-Ausgabe ist ein Tarot-Set und unterscheidet sich von der einfachen Ausgabe des Decks hauptsächlich dadurch, dass ihr, statt des üblichen kleinen Heftchens, ein dünnes Begleitbuch beiliegt, welches das Deck ausführlicher erklärt. 

Im Falle des Leonardo da Vinci Tarots ist das Begleitbuch der De-Luxe-Ausgabe geradezu ein Muss, denn erst durch die Erläuterungen des Buches, geschrieben von Mark McElroy, wird der wahre Wert des Da Vinci Tarots offensichtlich. Jede Karte wird hier genau erklärt, einschließlich des zugrunde liegenden Werkes von Leonardo. Aber auch allgemeine Erklärungen zum Tarot fehlen nicht. Wir erfahren etwas über die Geschichte der Karten, allgemeine traditionelle Kartenbedeutungen und den praktischen Umgang mit dem Tarot. 

Nehmen wir als ein Beispiel gleich die erste Karte, den Narren. Ohne das Buch wird sich wohl so mancher gefragt haben, was dieses Kartenbild mit dem Tarot-Narren zu tun hat. Eine Art überdimensionale Fledermaus fliegt über eine Landschaft, in der sich eine Burganlage befindet. Oben rechts im Kartenbild sieht man kleine, seltsame Schriftzeichen, welche augenscheinlich von einem fast modern anmutenden Zeichengerät geschrieben wurden. Durch das Buch erfährt man nun, dass es sich bei der Mega-Fledermaus um Leonardo's Flugmaschine handelt, die sich über der Burg als Sinnbild damaliger konventioneller Weisheit und Regeln erhebt. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man in der Gondel der Flugmaschine ein Gesicht. Es ist Leonardo selbst. Und bei den seltsamen Schriftzeichen handelt es sich um den Kartentitel, jedoch in der von Leonardo stets verwendeten Spiegelschrift. Diese spiegelschriftlichen Kartentitel finden sich auf allen 22 Großen Arkana. Außerdem ist auf jeder Karte ein kleines Symbol zu sehen, welches zusätzlich für die Grundbedeutung der Karte steht. Im Falle des Narren ist es das kleine Zeichengerät. Mit diesem Wissen wird aus einem unverständlichen Kartenbild eine tiefgründige symbolische Darstellung, die durchaus von Leonardo selbst hätte stammen können.

Als ein weiteres Beispiel soll noch die Karte der Gerechtigkeit erwähnt werden. Vorlage für dieses Kartenbild ist eine der beiden Leonardo zugeschriebenen Verkündigungen Mariens. In diesem Fall handelt es sich um die Verkündigung, deren Original sich in den Uffizien in Florenz befindet. Der - für diese Karte unübliche - Spiegel und das Schwert wurden hinzugefügt. Interessanterweise spiegelt sich in dem Handspiegel Leonardo selbst, bzw. sein Selbstporträt. Als Deutungssymbol ist oben rechts eine Waage zu sehen, die aus einem gleichseitigen Dreieck und zwei Waagschalen besteht. Wir haben es hier mit einer Justitia zu tun, die eindeutig - auch - zur Selbsterkenntnis anregt. Im Begleitbuch ist darüber zu lesen: 

"Wenn es gilt, Gerechtigkeit walten zu lassen, überlassen wir es gerne anderen, sich dem Zorn auszusetzen, den das Richtschwert bei den Betroffenen auslöst. Mitleid kommt auf, wenn wir uns selbst in den Taten und Leiden der Angeklagten spiegeln, unsere eigenen Grenzüberschreitungen - oder zumindest Grenzüberschreitungen, die wir nachvollziehen können - rufen unser Mitgefühl hervor. Wir urteilen über uns selbst immer milder, als über andere."

Jede Karte des Da-Vinci Tarots ist im Grunde genommen ein kleines Tarotkunstwerk auf der Basis von authentischen Werken des großen Künstlers, Forschers und Erfinders. Die Symbolik der Kartendarstellungen orientiert sich an der Rider-Waite-Tradition, wartet aber manchmal auch mit ganz eigenen Interpretationsansätzen der traditionellen Kartenbedeutungen auf und es lohnt sich, diese für jede einzelne Karte zu erforschen. Das gilt nicht nur für die Arbeit mit diesem Deck, sondern auch, um der künstlerischen Gestaltung dieses Tarots gerecht zu werden.

Leonardo da Vinci (1452 - 1519) stand seit mindestens 1487, sehr wahrscheinlich aber schon ab 1482 in Diensten des Mailänder Fürsten und späteren Herzogs Ludovico Sforza. Ludovico, genannt Il Moro (der Dunkle), übernahm 1476 für seinen noch minderjährigen Neffen Gian Galeazzo Sforza die Regentschaft, erwies sich allerdings als Usurpator und riss später den Herzogsthron an sich. Gian Galeazzo Sforza war der Enkel von Bianca Maria Visconti und Francesco I. Sforza, der nach Biancas Vater Filippo Maria Visconti, dem letzten Visconti-Herzog, 1450 selbst Herzog von Mailand wurde. Filippo Visconti und Francesco Sforza waren eben jene Herzöge, die die berühmten Visconti-Sforza Tarotkarten in Auftrag gaben. Die Vorstellung, dass Leonardo da Vinci am Hofe von Mailand auch Tarotkarten, möglicherweise sogar das Visconti-Sforza Tarot selbst gesehen hat, entbehrt daher nicht jeder Realität.

 

Zur Bedeutung der Visconti-Sforza-Familie in der Geschichte des Tarots siehe auch in der Tarotgeschichte, Teil 3.

Das Leonardo da Vinci Tarot (einfache Ausgabe ohne Buch) bekommt man direkt beim Verlag Königsfurt-Urania. Außerdem sind sowohl die einfache Ausgabe, als auch das Set mit Buch im Esoterik-Fachhandel oder in Esoterik-Abteilungen im Buchhandel erhältlich.

Weitere Kartenbilder sind in der Tarotsammlung zu sehen. 

 
Copryright © 2005 des Lo Scarabeo Tarots by Lo Scarabeo, Turin
Copryright © 2006 des Da Vinci Tarot-Sets by IRIS Bücher & mehr, Amsterdam