The Fantastic Menagerie Tarot

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Das Fantastic Menagerie Tarot ist ein weiteres Tarot des Erfolgsduos Karen Mahony und Alexandr Ukolov. Die Anregung zu diesem Deck stammt von Sophie Nusslé, welche auch das Buch zu diesem Deck geschrieben hat. Das Fantastic Menagerie Tarot basiert auf den einzigartigen Tiermetamorphosen des zu seiner Zeit berühmten französischen Buchillustrators und Karikaturisten J.J. Grandville (1803 - 1847). 

Grandville lebte zu einer Zeit, in der sich das politische Frankreich ständig im Wandel befand und Pressefreiheit durchaus nicht selbstverständlich war. Als Mitarbeiter der Zeitschrift Caricature machte er sich einen Namen, indem er die herrschenden Verhältnisse, politische Ereignisse und Skandale karikierte und dazu Tiere in die Rollen der Menschen schlüpfen ließ. Dies tat er auf eine so originelle Weise, das seine gezeichneten Persiflagen und Satiren, die er auch in Bildbänden, bzw. Bilderfolgen herausgab, schon bald zu Bestsellern wurden. Noch im Jahre 1991 illustrierte die englische Kultband Queen das Cover für ihr Album "Innuendo" mit Bildern von Grandville.

Es ist nicht leicht, ein Tarot auf der Grundlage alter satirischer Zeichnungen zu erstellen, da diese ja bereits für sich genommen zu ihrer Zeit eine ganz bestimmte Aussage wiedergegeben haben. Es genügt nicht nur, dass die Darstellungen also solche zur Symbolik der jeweiligen Tarotkarte passen. Auch die ursprüngliche Aussage der Originalbilder sollte mit der Bedeutung der Karten harmonisieren. Das ist den Autoren des Fantastic Menagerie Tarots mit viel Fingerspitzengefühl und Sachkenntnis gelungen. Besonders deutlich wird dies, wenn man das Buch von Sophie Nusslé liest. Zu jeder Karte wird ausführlich auf deren Bedeutung eingegangen. Zusätzlich wird die Geschichte der zugrunde liegenden Grandville-Zeichnung erzählt, wodurch das Verständnis der Kartenaussage wesentlich vertieft wird. Die Tatsache, dass wir es hier mit wahren Begebenheiten zu tun haben, macht das Buch und somit auch das Deck selbst zu einer Art gelebtem Tarot. Leider ist das Buch nur in englischer Sprache erhältlich. Zwar ist das Fantastic Menagerie Tarot inzwischen auch in Deutschland über den Verlag Königsfurt-Urania zu beziehen (hier unter dem deutschen Titel "Tarot der fantastischen Tiere), jedoch nur in der englischen Version als Einzeldeck. Glücklicherweise orientiert sich die Art der symbolischen Darstellungen weitgehend an der Rider-Waite-Tradition und die Bilder als solche sind so lebendig gestaltet, das ihre Aussagen auch ohne Buch verstanden werden können. Anfänger, die es gerne mit dem Fantastic Menagerie Tarot versuchen wollen, können problemlos die gängige Tarotliteratur für dieses Deck verwenden.

Schauen wir uns z.B. die Sechs der Münzen (Pentakel, Scheiben) an. Wir sehen einen Katze, gekleidet als Gentleman. Dieser teilt Süssigkeiten an zwei Mäusekinder aus. Schaut man genauer hin, so erkennt man, dass er die Süssigkeiten aus einer Mausefalle ausschüttet. Kann es ein aussagekräftigeres Bild zur Bedeutung dieser Karte geben? Doch die Darstellung versinnbildlicht nicht nur die Wohltätigkeit und Großzügigkeit, die mit dieser Karte verbunden werden, sondern auch deren andere, dunklere Seite. In ihrem negativen Aspekt warnt uns die Sechs der Münzen vor Geschenken und Zuwendungen, die uns aus Berechnung gemacht werden und erinnert uns daran, dass man einem geschenkten Gaul durchaus auch mal ins Maul schauen sollte. Wer weiß schon, ob die Katze die beiden Mäusekinder vielleicht nur mit Süssigkeiten beschenkt, damit die beiden dicker und fetter werden und der Katze später besser schmecken?

Obwohl viele der Darstellungen des Fantastic Menagerie Tarots weitgehend an die des Rider Waite angelehnt sind, gibt es auch einige, die sich von den traditionellen Tarotdarstellungen unterscheiden, wobei die inhaltliche Aussage jedoch beibehalten wird. So sehen wir z.B. auf der Drei der Stäbe einen Falken und ein Nashorn mit einem Teleskop. Zwei Käfer sitzen am Ständer des Teleskops mit Fernrohren in ihren Händen. Im Vordergrund ist eine Schnecke zu sehen, die ebenfalls durch ein kleines Teleskop schaut. Die tierischen Protagonisten auf dieser Karte sind ganz offensichtlich dabei ihre (Aus-)sicht zu optimieren, um Neues zu entdecken. Obwohl es von der traditionellen Darstellung der Kartenbedeutung abweicht, spricht das Bild für sich und vermittelt dieselben Bedeutungsinhalte. Hat man noch das Buch zur Verfügung, so erfährt man, das die zugrunde liegende Zeichnung bei einem Besuch der Akademie der Wissenschaften von Paris entstand, in der Grandville oft zu Gast war. Der Falke stellt übrigens den französischen Ägyptologen Champollion dar, der die Hieroglyphen entzifferte. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Bildes bereitete er sich gerade auf seine erste Ägyptenreise vor. Die Hieroglyphen hatte Champollion aber schon entziffert und Grandville's Begleiter, der diesen Besuch schildert, zeigt sich sehr erstaunt, das der berühmte Gelehrte zuvor noch nie in Ägypten gewesen war...

Grandville liebte Tiere. Er war der Meinung, dass sie sich gar nicht so sehr vom Menschen unterschieden und und genau wie dieser Gefühle und einen individuellen Charakter haben. Heute wissen wir, dass das stimmt, doch zu Grandville's Zeiten war eine solche Einstellung gegenüber "dem unvernünftigen Tier" selten und widersprach der damaligen wissenschaftlichen Auffassung. Eine besonders schönes Beispiel für Grandville's Liebe zur Natur und ihren Geschöpfen ist die Geschichte, welche die Entstehung der Zeichnung erzählt, die wir auf dem Ass der Kelche sehen. Daher gebe ich diese Geschichte zum Abschluss in deutscher Übersetzung wieder:

Grandville und ich trafen uns an einem Sommerabend um 10:00 Uhr vor seinem Appartment im Quartier Latin. Die Luft war kühler geworden. Diese Nacht, so sagte er mir, würde eine ganz besondere Nacht in seinem und meinem Leben werden. Er lächelte geheimnisvoll und führte mich durch die gewundenen Straßen und Gassen des Quartier Latin. Auf unserem Weg begegneten wir fröhlichen Studenten, die aus den Cafés strömten und mit der Freude der Jugend und des Biers sangen. Schließlich erreichten wir den Jardin de Plantes, der auch den Pariser Zoo beherbergte. Er war bereits geschlossen, aber ein sanftes Klopfen an der Tür des Torwächters öffnete den Garten für uns. Nur eine schmale Mondsichel hing in der feuchten Dunkelheit. Grandville trug die Lampe des Torwächters und führte uns zuversichtlich. "Heute nachmittag haben sie mir gesagt, dass es jetzt bald soweit wäre," raunte er. Bezaubert von dieser Nacht in einem menschenleeren zoologischen Garten, folgte ich ihm still. Die meisten Tiere waren wach und durchstreiften ihre Käfige wie einen zu kleinen Dschungel. Wir kamen vor einem großen Käfig an. In einem Nest von der Größe eines Kopfkissens ruhte ein Ei. Grandville hob seine Lampe. Während wir zuschauten, begann das Ei zu splittern, tiefer und tiefer - und brach auf. Der runde Kopf eines kleinen Alk erschien. Nur eine Sekunde später öffnete er seine Augen. Seine Mutter glitt hinter ihm aus der Dunkelheit hervor. Ich warf einen Blick auf Grandville. Er wirkte völlig verzückt, mit Tränen in den Augen, die er langsam wegwischte. Er gab mir die Lampe und fing an zu zeichnen. Ich konnte mich nicht zurückhalten und fragte ihn, ob er dabei wäre, den Alk in dieser vermenschlichten Weise wiederzugeben, für die er so berühmt war. "Oh nein! Dieser kleine Kerl wird er selbst bleiben. Für eine Weile." Als ich hinunter auf Grandville's Hand blickte, sah ich den Käfig verschwinden - an seiner Stelle  erschien  eine   Klippe,  viele   herumfliegende  Seemöwen   und  die  ganze Unermesslichkeit  des
                                                       Ozeans, die dieser kleine Alk sicher eines Tages sehen würde - und sei es auch nur in seinem Herzen.

                                                        Anmerkung: Der Riesenalk, um den es hier wohl geht, ist inzwischen ausgestorben.  
    

Das Fantastic Menagerie Tarot gilt inzwischen leider als vergriffen, hat aber noch eine eigene Homepage: 

Zur Hompage des Fantastic Menagerie Tarot


Weitere Kartenbilder sind in der Tarotsammlung zu sehen.

Ebenfalls von Karen Mahony und Alexandr Ukolov erschienen sind: 
Tarot of Prague
Baroque Bohemian Cats' Tarot
The Fairytale Tarot
The Bohemian Gothic Tarot
The Victorian Flower Oracle
Victorian Romantic Tarot

 

Copryright © 2005 des Fantastic Menagerie Tarots by Magic Realist Press, Prag
Copryright © 2006 des Buches The Fantastic Menagerie Tarot by Magic Realist Press, Prag