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Faery Wicca Tarot
von Kisma K. Stepanich * Renée Christine Yates

Kisma Stepanich, die Autorin dieses Tarots hatte nach eigenen Angaben während einer Meditation eine Vision der keltischen Muttergöttin Danu, welche sie zu diesem Tarot inspirierte. Auch soll die Göttin ihr gezeigt haben, dass die vier Elementsymbole der Kleinen Arkana des Tarots mit den vier mythischen Städten der keltischen Anderswelt Falias, Gorias, Findias und Muirias in Beziehung stehen. Davon mag man nun halten, was man möchte. Tatsache ist, dass daraus ein auf seine Art einzigartiges Tarot mit einem speziell abgestimmten Tarotsystem entstanden ist. Das Deck besteht aus insgesamt 83 Karten. Neben den 78 Tarotkarten als solchen gibt es noch eine zusätzliche Große Arkana mit der Nummer 00 (die Übereinstimmung mit dem numerischen Symbol für ein gewisses stilles Örtchen ist rein zufällig), auf welcher der keltische Lebensbaum als zentrales Symbol dieses Tarots zu sehen ist. Außerdem wurden vier weitere Karten beigefügt, die als "Karten der Geschenke der Feen" bezeichnet werden und im Tarotsystem des Faery Wicca Tarots eine besondere Rolle spielen. Diese vier Karten haben folgende Bedeutungen:

- Die Karte des Apfelbaumzweiges ist ein Geschenk der Fee der Luft und gehört zu
  Gorias. Sie steht für Schönheit.

- Die Karte des Beutels aus Kranichhaut ist ein Geschenk der Fee des Feuers und gehört zu
  Findias. Sie steht für Stärke.

- Die Karte der des Haselnussstabes ist ein Geschenk der Fee des Wassers und gehört zu
  Muirias. Sie steht für Hässlichkeit.

- Die Karte des Heiligen Steines ist ein Geschenk der Fee der Erde und gehört zu Falias. Sie steht für Spiritualität.

Die vier Karten können sowohl gesondert, als auch zusammen mit den übrigen Karten gelegt werden. Als einzelne Karten zeigen sie die Ebene an, auf der sich der Fragende gerade befindet (Denken, Wollen, Fühlen und Lernen). Sie sollen aber auch dazu verwendet werden können, eine der Feen erscheinen zu lassen.

Wenn man von der versprochenen Feenerscheinung einmal absieht, so fällt mir bei diesen Karten auf, dass zwei der Feengeschenke aus der keltischen Mythologie bekannt sind, nämlich der Apfelbaumzweig und der Haselnussstab. Die anderen beiden scheinen dagegen Neuschöpfungen zu sein. Bei dem Stein könnte es sich eventuell um Lia Fail, den Stein der Wahrheit handeln. Allerdings wird er im Buch im Zusammenhang mit der fraglichen Karte mit keinem Wort erwähnt, was für einen so legendären Stein recht verwunderlich ist und woraus ich schliesse, dass es sich bei diesem Feengeschenk um einen anderen Stein handeln muss. Die vier Geschenkkarten sind übrigens recht einfach gestaltet und passen vom Aussehen und Stil her nicht so ganz zu dem übrigen Deck.

Die Großen Arkana werden bei diesem Tarot als "Die Alten" bezeichnet. Die einzelnen Kartenbezeichnungen weichen teilweise von den traditionellen Bezeichnungen ab, was aber hauptsächlich auf die zugrunde liegende Thematik zurückzuführen ist. Anders, als üblich, werden für die Nummerierung der Großen Arkana auch nicht die römischen, sondern die arabischen Ziffern verwendet. Im einzelnen lauten die Kartenbezeichnungen wie folgt:

0 - Der Suchende, 1 - Der Druide, 2 - Die Hohepriesterin, 3 - Die göttliche Mutter, 4 - Gottvater, 5 - Der Führer, 6 - Die Liebenden, 7 - Der Wagen, 8 - Poetische Gerechtigkeit, 9 - Der Heilige Mann, 10 - Das Sonnenrad, 11 - Kraft des Willens, 12 - Der Hängende, 13 - Die Hexe Banshee, 14 - Die Heiligen Wasser, 15 - Der Alte, 16 - Der runde Turm, 17 Der Stern, 18 - Die alte Hexe (vom) Mondhügel, 19 - Das Sonnenkind, 20 - Das Gericht, 21 - Die göttliche Weberin.

Auf jeder Karte der Großen Arkana befinden sich in den vier Ecken eine grüne, eine gelbe, eine blaue und eine rote Scheibe, welche die vier Elemente symbolisieren und mit je einem Zeichen des keltischen Ogham-Alphabets beschriftet sind. Die verwendeten Zeichen stehen für die Vokale A, O, U und E. Leider findet sich im Buch keine Erklärung dafür, welche symbolische Bedeutung diese vier Vokale haben sollen. Vermutlich ist an eine Verbindung mit den vier Elementen gedacht. Allerdings gibt es aus keltischer Zeit keinerlei Hinweise, dass die alten Kelten jemals derartige Zuordnungen kannten, beziehungsweise verwendeten. Die Sache bleibt rätselhaft.

Die Hofkarten werden im Faery Wicca Tarot als die Karten der Helfer bezeichnet. Sie beziehen sich auf Figuren aus der keltischen Mythologie. Ihr jeweiliger Name ist auf den Karten aufgedruckt. Ein Bezugnahme auf mythische Personen oder Gottheiten im Tarot bietet immer eine zusätzliche Bedeutungsebene, vorausgesetzt, man weiß, um wen es sich dabei handelt. Wer sich mit der Mythenwelt und der Religion der Kelten nicht auskennt, ist hier allerdings ziemlich aufgeschmissen, es sei denn, er macht sich die Mühe und besorgt sich zusätzliche Literatur. Im Begleitbuch finden sich nämlich keinerlei Erklärungen über die Rolle, welche diese 16 Helfer in den Mythen spielen.

Die künstlerische Gestaltung der Großen Arkana und der Hofkarten ist sehr ansprechend und in kraftvollen Farben gehalten. Die Bilder zeigen teilweise recht lebhafte Szenen und sind reichhaltig in der symbolischen Darstellung, ohne überladen zu sein. Im Gegensatz dazu sind die Zahlenkarten der Kleinen Arkana eher etwas enttäuschend. Man kann sie zwar nicht als unbebildert bezeichnen, doch richtige Bilderszenen sind nur vereinzelt zu sehen. Statt dessen sieht man für jedes Element immer dasselbe Thema, beziehungsweise den selben Ort in verschiedenen Variationen, beziehungsweise aus verschiedenen Blickwinkeln oder Entfernungen. Beispielsweise zeigen die Karten der Schwerter einen doppelten Steinkreis und eine Feder als Symbol der Luft an der rechten Kartenseite. Das As der Schwerter (Abbildung s. oben, As de Aer) zeigt den Steinkreis von Nahem, die Zwei der Schwerter zeigt denselben Steinkreis aus etwas größerer Entfernung. Die Drei der Schwerter führt uns genau vor den Eingang des Steinkreises, vor dem jetzt ein Skelett zusehen ist. Die Vier der Schwerter zeigt uns den Steinkreis von oben, u.s.w. Natürlich liegt auch hierin ein gewisser symbolischer Wert. Außerdem sollen die vier Elementsymbole der Kleinen Arkana ja auch vier verschiedene Orte symbolisieren (s.o.). Etwas einfallslos ist es trotzdem.

Eine weitere Besonderheit des Faery Wicca Tarots ist die Sprache. Die Kartenbezeichnungen der Großen Arkana sind nämlich nicht nur in englischer, beziehungsweise spanischer Sprache aufgedruckt (eine deutsche Ausgabe gibt es bislang nicht), sondern auch in irischem Gälisch. Die Elementbezeichnungen der Kleinen Arkana sind ebenfalls in Gälisch. Sie lauten Tine (Feuer), Uisce (Kelche), Aer (Luft) und Domhan (Pentakel). Natürlich tragen auch die Hofkarten, neben den bereits erwähnten Namen mythischer Figuren, gälische Bezeichnungen. Hier finden wir Ainnir (Mädchen), Ridire (Ritter), Banrion (Königin) und Ard Ri (König). So interessant das mit den gälischen Bezeichnungen ist, der eine oder andere möchte sie vielleicht auch einmal aussprechen. Das jedoch kann Probleme bereiten. Bekanntermaßen unterscheidet sich die Aussprache des Gälischen von seiner schriftlichen Umsetzung. Das Gälische war schließlich ursprünglich keine Sprache für die lateinische Schrift, mit der es heute geschrieben wird. Manchmal werden Buchstaben im Schriftgälisch sogar nur zur Verdeutlichung der Aussprache anderer Buchstaben benutzt und selbst nicht mit ausgesprochen. Die Frage ist nur, welche? Die Ausspracheregeln des Gälischen sind recht kompliziert und es kann eine Weile dauern, bis man sich da hinein gearbeitet hat. Es ist aber nur allzu verständlich, wenn man sich, um mit einem bestimmten Tarot zu arbeiten, nicht erst in komplizierte Ausspracheregeln einer alten Sprache einarbeiten möchte. Daher wäre es eine gute Idee gewesen, die korrekte Aussprache doch ganz einfach im Buch in einer Transkribierung anzugeben. Leider aber wird mit keinem Wort auf die gälischen Begriffe und ihre Aussprache eingegangen, obwohl vermutlich so einige Tarotisten, die gerne mit diesem Tarot arbeiten möchten, die erwähnten Schwierigkeiten mit dem Gälischen haben dürften, selbst im englischen Sprachraum. Schließlich sind Gälisch und Englisch zwei völlig verschiedene Sprachen.

Trotz der verschiedenen kleineren Mängel ist das Faery Wicca Tarot, im Großen und Ganzen gesehen, ein schönes und interessantes Deck und, wie eingangs schon gesagt, auf seine Art einmalig. Außerdem kann es, durch einfaches Weglassen der zusätzlichen Karten, als ganz normales Tarot verwendet werden.

In deutscher Sprache ist das Faery Wicca Tarot bisher nicht erschienen. Es gibt lediglich eine englische Ausgabe und seit 2002 auch eine spanische Ausgabe. Die englische Ausgabe ist bereits in einer zweiten, verbesserten Auflage erschienen. Die hier gezeigten Karten stammen aus der spanischen Ausgabe.

Weitere Kartenbilder sind in der Tarotsammlungzu sehen.



Copryright © 1998 der Karten Kisma K. Stepanich
Erschienen 1998 bei Lewellyn Publications
Copryright © der spanischen Ausgabe 2001 Arkano Books Móstoles/Madrid

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